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Pädagogen/innen

Menschen, die sich entschließen, Erzieher oder Pädagoge zu werden, haben häufig den Wunsch, es besser zu machen, als die vorhergehende Generation: Sie sehen ihre Ziele sehr viel mehr darin, den Kindern und Heranwachsenden verständnisvolle Partner zu sein, ihnen Raum zu geben für eigene Entwicklung, sie eigenverantwortlich werden zu lassen, ihre Wünsche ernster zu nehmen und ihnen mehr Gelegenheit zu geben, sie zu realisieren.

Für diese Ziele setzen sie sich engagiert ein, führen oft schon in ihrer eigenen Schulzeit Diskussionen, arbeiten zum Beispiel bei Kirchen und Vereinen mit, nehmen mit Ernst ein jahrelanges Lernen oder Studieren auf sich, um sich auch theoretische Kenntnisse anzueignen. Sie versuchen, in Gesprächen ihre eigene Situation, auch ihre Kindheit zu reflektieren und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Der Eintritt in die pädagogische Berufspraxis wirkt häufig wie ein Schock. Sie hatten gehofft, mit ihren Zielen von Kindern und Jugendlichen akzeptiert zu werden und stellen fest, dass sie in ihrer täglichen Arbeit auf Grenzen stoßen und sich oft hilflos fühlen. Die möglichen Gründe sich vielfältig. Oft fehlt es an Kenntnissen und Erfahrungen, mit einer Gruppe zu arbeiten, die psychologische Gruppenstruktur zu durchschauen, sie so umzugestalten, dass jedes Mitglied seinen ihm wichtigen Platz innerhalb eines Gefüges neu einnehmen und ausfüllen kann. Oder sie erfahren, dass die Kinder und Jugendlichen, auf die sie treffen, Vorerfahrungen oder Prägungen mitbringen, mit denen sie nicht gerechnet haben. Im Extremfall ist es möglich, dass autoritär erzogene, vernachlässigte oder geschlagene Kinder mit dem angebotenen Freiraum überhaupt nicht umgehen können. Der Pädagoge wird unter Umständen wegen seiner Nachsicht nicht verstanden und akzeptiert, was unübersehbare Konflikte bei der Alltagsarbeit nach sich zieht.

Es kann auch sein, dass der Wunsch, dem Jugendlichen in einer anderen Form als der bei der eigenen Erziehung erlebten, zu begegnen, einem nicht gewussten, frustrierten Bedürfnis aus der eigenen Kindheit entspringt. Es müsste dann den Kindern und Jugendlichen das gegeben werden, was dem Erzieher selbst gefehlt hat. Einerseits hat er unter Umständen nicht den Mut, Grenzen zu setzen und seine eigene Freiheit zu schützen, andererseits ist der Blick auch verstellt auf die wirklichen Bedürfnisse der Jugendlichen. Manchmal werden die Kinder durch die Ziele der Erzieher überfordert, Kinder sind auch angewiesen auf Leitung, Wertsetzung, Unterstützung und Zuwendung.

Im Psychodrama ist es möglich, durch Gespräche, Selbsterfahrung, darstellendes Spiel, durch ganzheitliches Erleben einer Situation, die eigene Motivation für den Beruf kennenzulernen, eigene Bedürfnisse und die der anderen getrennt zu sehen. Durch die Bearbeitung eigener Probleme soll die Persönlichkeit so weit entwickelt werden, dass es möglich wird, von sich selbst weitgehend abzusehen. Erst damit wird es möglich, Kinder und Jugendliche so zu sehen, wie sie sind, ihre wirklichen Bedürfnisse und Fähigkeiten zu erkennen, ihnen Raum und Grenzen zu geben und ihnen das Notwendige von der eigenen Person fachlich und emotional anzubieten.

Auf diesem Weg werden sie wirkliche Zuwendung und Akzeptanz ihrer Person erleben und sind erst damit in der Lage, ihre ursprünglichen Ziele zu realisieren.