"Wenn die Arbeit auf den Magen drückt ..."- protagonistenzentriertes Arbeiten Bearbeitung einer Leistungsstörung durch psychodramatische Gruppenpsychotherapie
Quelle: Humanistisches Psychodrama Band 2.
Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, 1994
Das Psychotherapeutische Institut Bergerhausen führt im
Rahmen der Psychotherapie-Aus- und Fortbildung in Abständen eine
sogenannte "Therapeutische Gemeinschaft" durch. Für etwa drei
Wochen leben Therapeuten, Therapieausbildungskandidaten und Klienten
gemeinsam in einem dafür geeigneten Haus, hier in der Ramsau am Dachstein
in Österreich. Während dieser Zeit finden zweimal am Tag Psychodrama-
Sitzungen statt. Die Teilnahme ist freiwillig. In der
nachfolgend beschriebenen Gruppensitzung gegen Ende der
"Therapeutischen Gemeinschaft" spielt Rolf sein Problem am
Arbeitsplatz.
An der Sitzung beteiligt sind: |
| Verlauf |
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| I. Erwärmung |
Die Gruppe klärt im Zweiergespräch bedeutsame Erlebnisse im
zwischenmenschlichen Bereich während der Therapie-Gemeinschaft
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II. Soziometrische
Wahl |
Die Gruppenteilnehmer wählen den Protagonisten des
nachfolgenden Psychodrama-Spiels, indem sie eine Hand auf die
Schulter der gewählten Person legen
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| III. Interview |
Der Therapeut befragt den Hauptdarsteller über sein Problem,
bringt ihn gefühlsmäßig in eine Handlungsbereitschaft, schafft
die erste Szene zu dem angesprochenen Thema
"Arbeitsunlust".
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| IV. Spielszenen |
Der Hauptdarsteller gestaltet ein Thema, indem er Spielszenen
auswählt und diese mit Hilfe der Gruppenteilnehmer spielt.
Sogenannte Doppel aus der Gruppe erweitern und vertiefen die
Ausdrucksarbeit des Protagonisten.
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Hans-Werner
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Therapeut
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Rolf
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Protagonist
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Arno
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Hilfs-Ich, Abteilungsleiter
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Ingo
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Hilfs-Ich, Papierstapel
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Roger
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Hilfs-Ich, Wand
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Ruth
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Hilfs-Ich, Mutter
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Traudel
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Hilfs-Ich, Resignation
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Lydia
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Hilfs-Ich, Schwester
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Sven
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Gruppenmitglied
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Iris
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Gruppenmitglied
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Barbara
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Doppel
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Ines
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Doppel
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Kathrin
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Doppel
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| 1. Szene |
Der Protagonist ist aus der "Therapeutischen Gemeinschaft" wieder im Büro und ist - wie auch früher immer - ohne jede Lust, seine Arbeiten zu erledigen. |
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5. Szene |
Die tote Schwester gibt dem Protagonisten Lebendigkeit und Aktivität zurück. |
| 2. Szene |
Der Protagonist - im Alter von 17 Jahren - sitzt zu Hause bei den Schularbeiten, gegen die eine ähnliche Abwehr besteht wie in der Szene zuvor gegen die Bürotätigkeit. |
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V. Abschluss-
phase |
Wieder im Büro, beginnt der Hauptdarsteller seine Arbeitsbedingungen aktiv zu verändern. |
| 3. Szene |
Gemeinsam mit der Schwester spielt der Protagonist, nun 12 Jahre alt, am Fluss. Freude und Aktivität bestimmen die Situation. |
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VI. Sharing |
Die Gruppenmitglieder sprechen mit dem Protagonisten über das Erleben, welches sie während des gemeinsamen Spiels hatten. |
| 4. Szene |
Die Schwester verstirbt plötzlich während einer Herzoperation. Der Bruder besucht sie im Krankenhaus. Einsamkeit und Resignation befallen den Protagonisten. |
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In der Erwärmungsphase unterhalten sich die Grup- Dabei legen sie dem gewählten Gruppenmitglied penteilnehmer über für sie wichtige Ereignisse der die Hand auf die Schulter, wobei deutlich wird, wer vergangenen Zeit. die meisten Wahlen erhält.
Im Anschluss daran wählen sie ein Gruppenmitglied Dieser Protagonist repräsentiert am ehesten aus, welches ein Thema angesprochen hat, dass sie das Thema der Gruppe. ebenfalls persönlich anspricht.



Der Protagonist richtet unter der Mithilfe des Therapeuten eine Szene ein, in der das aus der Erwärmungsphase entstandene Thema dargestellt und gestaltet wird.
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| | | Hier: Der Protagonist sitzt nach seinem Urlaub wieder im Büro. Eine Unmenge Arbeitet erwartet ihn.
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| Der Papierstapel auf seinem Arbeitstisch wird durch ein Hilfs-Ich gespielt, ein Doppel hilft bei der therapeutischen Erweiterung der Erlebnisweise. Auch als Jugendlicher war dieses bedrückende Gefühl von Resignation, was ihn im Büro ergreift, vorhanden, wenn Rolf - der Protagonist - | unter den strengen Anforderungen seiner Mutter die Schulaufgaben zu erledigen hatte. Rolf spielt seine Resignation, er stellt damit diese Rolle seinem Hilfs-Ich vor, welches später gemeinsam mit ihm die Szene ausfüllt. Auch hier unterstützt ein Doppel die Ausdrucksarbeit des Protagonisten. |


| Rolf möchte gerne aus dieser Drucksituation heraus. Er entwickelt den Wunsch, sein Zimmer zu Hause neu einzurichten, die Wände bunt anzumalen. Die Wand wird von einem Hilfs-Ich gespielt und ermöglicht Rolf im Tausch mit dieser Rolle in einer sich distanzierenden Weise über die Situation neu zu orientieren. Jedoch stört die Mutter. Sie will, dass er die Hausaufgaben erledigt und in der Schule gute Leistungen erreicht. Da helfen ihm auch die Köpfhörer mit der Musik nicht. Die Mutter ist sehr eindringlich.
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Unterstützung kommt von der jüngeren, lebhaften Schwester Conny. Mit ihr gemeinsam gelingt es Rolf, lustig zu sein, zu spielen, den Zwang und Druck, die Resignation zu vergessen. Bei einer Herzoperation stirbt Conny überraschend. Rolf erlebt den Verlust und wird sehr traurig. In einem intensiven Gespräch mit der verstorbenen Conny, die Rolf in dieser Szene mit großer Dichte im Rollentausch selbst wieder lebendig werden lässt, wird im deutlich, dass seine Aktivität und seine Lebensfreude nicht von der Lebendigkeit der Schwester abhängig sein darf. Er gibt sich in der Rolle der Schwester selbst den Auftrag: "Du sollst weiterleben und Lebendigkeit haben. Es ist nicht alles gestorben." | 

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| Wieder in die erste Szene zurückgekehrt, kann Rolf die Arbeiten im Büro mit einer veränderten Einstellung betrachten und angehen. Er spricht selbstbewusster und direkter mit seinem Vorgesetzten, und Rolf stellt diesen im Rollentausch auch verständnis- und hoffnungsvoller dar.Im Anschluss an das protagonisten-zentrierte Psychodrama-Spiel teilen die Gruppenmitglieder Rolf ihre Anteilnahme mit und sprechen darüber, wo sie sich im Spiel identifiziert und wiedergefunden haben. | 
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