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Morenos Spontaneitätsprinzipien und Spontaneität im Humanistischen Psychodrama

"Warum der eine Mensch viele, der andere einige und die meisten keine Einfälle haben." (W. Metzger)

Morenos psychodramatisches Konzept der Spontaneität - Hans-Werner Gessmann

 

Zusammenfassung

J. L. Morenos ursprüngliche Arbeit über die Prinzipien der Spontaneität in "Psychodrama Band 1" von 1946 (1) mit der Darlegung einer neuen Theorie der Persönlichkeitsentwicklung wird referiert, um dann die Weiterentwicklung im Humanistischen Psychodrama durch die interaktionistische Rollentheorie von Mead, Goffman und Habermas therapeutisch in Theorie und Praxis umzusetzen. Der Identitätsbegriff wird hier synonym für den Selbstbegriff verwendet, wobei die soziale Identität notwendig als wesentlicher Teil zum Selbst eines Menschen gehört. Es wird Morenos Vorstellung von der Persönlichkeit als Summe aller Rollen überwunden, was die Loslösung von gesellschaftlich bestimmten Rollen implizierte. Neben dem biographisch-personalen Aspekt wird konsequent der sozial-gruppentherapeutische vertreten, wodurch eine Gleichgewichtung der personalen und sozialen Anteile für ein funktionsfähiges Selbst erreicht wird.

Für sich genommen bleibt Morenos psychodramatisches Konzept der Spontaneität unverstanden und kann nur zusammen mit den anderen Konzepten wie Augenblick, Erwärmung, physische bzw. psychische Starter, (Kultur-)Konserve, Tele, Handlungshunger usw. erklärt werden. Alle gemeinsam bilden in ihrer Gesamtheit eine psychodramatische Theorie der Persönlichkeitsentwicklung.

J. L. Morenos ursprüngliche Arbeit über die Prinzipien der Spontaneität in "Psychodrama Band 1" von 1946 (1) beginnt mit der Darlegung einer neuen Theorie der Persönlichkeitsentwicklung.

Er war damals der Meinung, dass eine neue Persönlichkeitstheorie, insbesondere eine neue Theorie der Kindesentwicklung vonnöten war, um der steigenden Bedeutung von Konzepten wie etwa Spontaneität, Erwärmung, Spontaneitätstraining, Hilfs-Ich, Rollenspiel und Tele Rechnung zu tragen. Die klassischen Betrachtungsweisen der Entwicklung des Neugeborenen, also die behavioristische und die psychoanalytische Perspektive, erschienen ihm überholt.

Bei dieser - seiner - neuen Theorie der kindlichen Entwicklung sollte davon ausgegangen werden, dass jedem Menschen von Geburt an bestimmte verborgene grundlegende Fähigkeiten innewohnen, so dass Spontaneität und Kreativität nicht als Derivate der Libido oder eines anderen tierischen Triebes, sondern als primäre und positive Phänomena gesehen werden und untersucht werden konnte, wie der kindliche Organismus aufgrund dieser Ausstattung mit anderen interagiert und diese untereinander.

Die Situation bei der Geburt eines Kindes versteht Moreno als die primäre Phase im Erwärmungsprozess für Spontansituationen:

Der menschliche Embryo tritt in eine komplizierte und gefährliche Welt ein, ehe er überhaupt damit fertig werden kann. Betrachtet man die biologische Unfertigkeit des Neugeborenen, erscheint es wie ein Wunder, dass es bei dieser plötzlichen und radikalen Veränderung seiner Lebenswelt überhaupt lebend zur Welt kommt. Die erfolgreiche Anpassung des Kindes an eine total anders geartete Beziehungsform bleibt ein Rätsel.

Das körperliche Heranreifen des Embryos und seine anatomische Bereitschaft für den Augenblick der Geburt stellen für sich genommen keine ausreichende Erklärung dafür dar, dass das Kind lebend zur Welt kommt und danach weiterlebt. Das Kind hat kein Modell, nach welchem es seine Handlungen richten könnte. Es steht einer ihm gänzlich neuen Situation gegenüber. Es muss von da an in zunehmendem Maße eigene Aktivität entfalten, um zu überleben. Moreno meint, dass einem weiteren Faktor, dem Spontaneitäts-Faktor, hierbei eine entscheidende Bedeutung zukommt. Dieser von ihm so genannte S-Faktor wird als weder ausschließlich genetisch noch ausschließlich umwelt- bzw. sozialbedingt aufgefasst. Er ist in einem Bereich zu lokalisieren, der ziemlich unabhängig ist von biologischen und sozialen Determinanten. Menschlicher Erfindungsgeist, menschliche Kreativität und der S-Faktor haben ein und dieselbe Entstehungsquelle. "Der Spontaneitätssinn als zerebrale Funktion weist eine rudimentärere Entwicklung auf als eine andere bedeutende, fundamentale Funktion des ZNS." (1, S. 47). Die große Plastitzität des kindlichen Gehirns, die in einem gewissen Maß über die gesamte Lebensspanne erhalten bleibt, kann in gewisser Weise selbst als eine Art von Spontaneität aufgefasst werden, wobei man von einer Existenz eines somatischen Gegenstücks des S-Faktors ausgehen kann.

Die weitere Persönlichkeitsentwicklung zeigt sich in entscheidendem Maße von dem S-Faktor abhängig, insbesondere der Tele-Faktor (soziales Beziehungskontingent) zeigt sich vom S-Faktor beeinflusst.

Die erste grundlegende Manifestation der Spontaneität ist die Erwärmung des Säuglings für eine neue Umwelt. Die Erwärmung für eine Situation ist Voraussetzung für eine angemessene Reaktion auf diese Situation. Physische und psychische Starter bewirken die Erwärmung für eine Situation (sie bzw. ihr Einsatz stellen die Erwärmung dar). Es muss angenommen werden, dass sich das Kleinkind bzw. das Neugeborene nur der physischen Starter bedienen kann. Die physischen Starter bleiben das gesamte Leben hindurch von großer Bedeutung und werden vor allem in Notsituationen gebraucht. Die physischen Starter werden eingesetzt in der Erwartung, dass sich diese mit der Zeit stabilisieren und höher organisierte Ausdrucksformen wie etwa das Übernehmen von Rollen und kreative Inspiration auslösen.

Dem Geburtsakt geht eine Erwärmung von Embryo und Mutter voraus. Die Geburt des Kindes kann nicht als überraschend Plötzliches begriffen werden, da sich Mutter und Kind neun Monate lang darauf vorbereitet, dafür erwärmt haben. Dabei ist der Erwärmungsprozess ein konkreter und messbarer Beweis für das Funktionieren bzw. für das Vorhandensein von Spontaneität. Das frühzeitige Ende der intrauterinen Existenz lässt sich aus dem vordergründigen Handlungshunger, die lange Kindheitsphase aus dem begierigen Lernen- und Fortschrittmachenwollen heraus erklären.

Später stellt die Unterscheidung zwischen Phantasie und Realität in der kindlichen Psyche den Beginn zweier grundsätzlich verschiedener Erwärmungsarten dar, eine hin zu Realitätshandlungen, die andere hin zu Phantasiehandlungen.

Die Spontaneität ist entscheidend beim Wechsel von der Realitäts- zur Phantasiewelt und umgekehrt. Dieser Wechsel ist von Bedeutung im Hinblick auf das Meistern von Situationen. Durch den Bruch zwischen Realität und Phantasie entstehen auch zwei neue Rollengruppen im Verhalten. Vor diesem Bruch waren sämtliche reellen und imaginären Komponenten in einer Rollengruppe vereint, den psychosomatischen Rollen. Nach und nach aber entwickelt sich eine soziale und fiktive Welt in der Identitätsmatrize, getrennt von der psychosomatischen Welt. Hiermit entstehen die sozialen Rollen und die psychodramatischen Rollen.

Handlungen sind nicht ausschließlich von der Spontaneität beeinflusst, auch Intelligenz, Gedächtnis, Konditionierungen, Tele-Faktoren wirken mit. Handlungen allein auf der Grundlage von Spontaneität sind nicht denkbar, Gedächtnis, Intelligenz stellen die Voraussetzung für ihre Wirkung dar.

Die Entwicklung der Spontaneität ist zunächst schwach und unbeständig. Sie taucht besonders in kritischen Augenblicken auf, wobei der Beitrag physischer Starter der Erwärmung für ihre Funktion ausschlaggebend ist. Schließlich übernehmen in der kindlichen Entwicklung Gedächtnis und Intelligenz die Führung und die Spontaneität tritt mehr in den Hintergrund. Sie unterwirft sich den mächtigen sozialen und kulturellen stereotypen Formen, welche die menschliche Umwelt dominieren. Die Spontaneität gerät von da an, je älter das Kind wird, in Vergessenheit.

 

Dennoch bleiben Formen der allgemeinen Spontaneität für das menschliche Verhalten bestimmend:

Die Spontaneität, die kulturelle Konserven und soziale Stereotypen aktiviert, die Spontaneität, welche neue Organismen, neue Kunstformen und neue Umweltmusterkreiert, die Spontaneität, welche den freien Persönlichkeitsausdruck gewährleistet, und die Spontaneität, mit welcher adäquate Reaktionen auf neue Situationen entstehen.

Kulturelle Konserven können durch Spontaneität neu aktiviert werden. Die Spontaneität kann ihnen etwas Neues, Originelles oder Kreatives hinzufügen. Ein Mensch, der seine Spontaneität derart nutzt, bleibt selbst häufig unproduktiv. Der höchst produktive und kreative Mensch hingegen mag als Individuum vielleicht undramatisch und unbedeutend sein, er aber schafft neue Formen, neue Gedanken und Erfindungen und ersetzt somit bestehende Konserven.

Die Spontaneität beschränkt sich nicht nur auf die Ausdrucksmöglichkeit des Selbst, sie will auch das Selbst kreieren. Drei Versionen konnten unterschieden werden:

  1. die Spontaneität bei der Geburt und Aufzucht eines neuen Kindes;
  2. die Spontaneität bei der Kreation neuer Kunstwerke, neuer sozialer und technologischer Erfindungen;
  3. die Spontaneität bei der Kreation einer neuen sozialen Umwelt.

Ein höchst spontanes Wesen wird alles dazu tun, auf alle möglichen Quellen wie Gedächtnis, Intelligenz, bzw. andere Fähigkeiten zurückzugreifen und erlangt somit Gelegenheit, einen anderen Menschen zu überflügeln, der zwar umfangreicheres Potential an kognitiven Leistungen besitzt, sie jedoch nicht nützt. Kreative Ideen, Motivation, Intelligenz, Fähigkeit und Bildung trifft man bei vielen Menschen, sie unterscheiden sich oft in ihrer Spontaneität, was sie im Verhalten anderen gegenüber erfolgreicher sein lässt.

Neue Situationen oder Situationsveränderungen erfordern eine Anpassungsleistung des Individuums, bei der Spontaneität frei wird. Beobachtet man Menschen bezüglich ihrer Spontaneität in für sie neuen Situationen, erkennt man drei mögliche Reaktionen:

  1. Keine Reaktion in einer neuen Situation, was bedeutet, dass keine Spontaneität vorhanden ist,
  2. eine alte Reaktion auf eine neue Situation, Voraussetzung zur spontanen neuen Reaktion ist
  3. das Ablegen von Konserven,
  4. neue angemessene - adäquate und irrtümlich - unangebrachte Reaktionen auf neue

Situationen. Als bedeutendster Vitalisator unserer Lebensstruktur kann bei der Spontaneität zwischen der dramatischen, der kreativen, der originellen und der adäquaten Reaktion unterschieden werden. Keine dieser Funktionen tritt jemals allein auf. Die dramatische Funktion gewährt das Weiterleben von sterilen Kulturkonserven und sozialen Stereotypen und die Blockierung origineller und kreativer Bemühungen. Spontaneität als plastische Funktion bringt adäquate Reaktionen des Selbst in neuen Situationen hervor. Als kreative Funktion ist sie bemüht, dass Selbst zu kreieren und dieses in eine adäquate Situation hineinzubringen. Ein Zusammenschmelzen aller Funktionen ist erstrebenswert.

Morenos psychodramatische Theorie der Spontaneität grenzt sich von Freuds Prinzip des absoluten psychischen Determinismus einerseits und von Bergsons Elan Vital, der totalen Negierung eines Determinismus andererseits, ab. Es entsteht in der psychodramatischen Theorie Raum für einen funktionellen, operationellen Determinismus.

 

Spontaneität im Humanistischen Psychodrama

Die Vorstellung über das Spontaneitätsverhalten ist im Humanistischen Psychodrama bestimmt von der Ansicht über das Selbst eines Menschen. Der Begriff des Selbst ist erstmals 1890 von dem amerikanischen Philosophen und Psychologen William James in seiner Veröffentlichung "Principles of psychology" bearbeitet worden. James unterschied den Subjekt-Aspekt vom Objekt-Aspekt, wobei das Subjekt weiß und das Objekt von anderen gewusst wird. Das Objekt-Selbst teilt sich auf in Materielles (Körper, Kleidung), Soziales (Stellung, Rolle, Anerkennung) und Geistiges (Leitbilder, Moral, Religiösität, Grundrichtung) (12, S. 519).

Georg Herbert Mead entwickelte, auf James Überlegungen aufbauend, das Konzept des Selbst weiter, wobei die im Entwicklungsprozess erworbene Fähigkeit zur Rollenübernahme ein zentrales Konstrukt ist. Der einzelne lernt, sich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen und sich auch aus der Sicht des anderen zu sehen (13, S. 311f).

Goffman, Habermas u. a. haben dieses interaktionistisch orientierte Selbst- und Rollenkonzept weiter differenziert (14, S. 46). Sie sehen die sogenannte Ich-Identität als zusammengesetzt aus der personalen Identität (so zu sein wie kein anderer) und der sozialen Identität (so zu sein, wie jeder, indem der einzelne personenübergreifenden Rollenerwartungen entspricht). Erst eine Balance zwischen personaler und sozialer Identität stellen für das Individuum Zufriedenheit her, wobei dieses den Ausgleich zwischen den jeweiligen Bedürfnissen und Erfordernissen der Identitätsaspekte prozesshaft erlangt.

Im Humanistische Psychodrama wird die interaktionistische Rollentheorie von Mead, Goffman und Habermas therapeutisch in Theorie und Praxis umsetzt. Der Identitätsbegriff wird hier synonym für den Selbstbegriff verwendet, wobei die soziale Identität notwendig als wesentlicher Teil zum Selbst eines Menschen gehört. Es wird Morenos Vorstellung von der Persönlichkeit als Summe aller Rollen überwunden, was die Loslösung von gesellschaftlich bestimmten Rollen implizierte. Neben dem biographisch-personalen Aspekt wird konsequent der sozial-gruppentherapeutische vertreten, wodurch eine Gleichgewichtung der personalen und sozialen Anteile für ein funktionsfähiges Selbst erreicht wird.

Nach humanistischer und existenzphilosophischer Auffassung sind Ziele und das Schaffen von Sinn spezifisch menschliche Qualitäten. Diese gilt es zu kultivieren, weil die Zielorientierung dem Menschen ermöglicht, mit dem entscheidenden Medium der Sinngebung über das aktuelle Selbst hinauszuwachsen und damit den Balanceakt zur Integration von personaler und sozialer Identität zu optimieren, was ein Zuwachs an Spontaneität bedeutet. Wenn ein Mensch sich mit etwas, das für ihn sinnvoll ist, identifizieren kann, motiviert ihn dies, seine Potentiale aktiv zur Selbstverwirklichung zu differenzieren und auszuschöpfen und hierdurch eine partielle individuelle Autonomie zu erlangen, was ihn das Leben auch unabhängig von äußerer Kontrolle gestalten lässt. Die ihn bewegende Kraft ist die Spontaneität, welche frei wird im Prozess der Identitätsfindung und diesen wiederum begründet.

Das Humanistische Psychodrama mit seinem therapeutischen Ziel der Öffnung und Wandlung der Identitätsstrukturen ermöglicht die Entfaltung der menschlichen Eigenschaften im psychosozialen Bereich bestmöglich, weil sich das Selbst des Menschen nur im Austausch und in der Auseinandersetzung mit anderen, in der Erweiterung der sozialen Interdependenz, in der der Mensch Zeit seines Lebens in einer Gemeinschaft, sei es seine Familie oder eine andere soziale Gruppierung eingebettet ist, entfalten kann.

Jeder gelungene Ausgleich individueller Identitätsforderungen in einer Interaktionssituation als sozialer Prozess der Spontaneitätsentwicklung verändert diese Identität und ebenso verändert eine Umstrukturierung von Elementen und der damit verbundene Zuwachs an Spontaneität in der lebensgeschichtlichen Identität die Beziehungsformen im sozialen Kontext, wobei beides nicht voneinander getrennt werden kann und das Humanistische Psychodrama daher notwendig eine Gruppenpsychotherapie sein muss.

 

Morenos Konzept der Spontaneität und das Konzept der Spontaneität im Humanistischen Psychodrama

Während Morenos Spontaneitätskonzept in Verbindung mit anderen psychodramatischen Konzepten erklärt wird und den Entwicklungsbeginn einer psychodramatischen Persönlichkeitstheorie einleitet, stellt die Spontaneität im Humanistischen Psychodrama eine die Identität einer Person begründendes und verbürgendes Konstrukt dar. Es äußert sich als sinnvolles und zielorientiertes soziales Interaktionsverhalten in Momenten entstehender Ganzheit von subjekt- und objekthafter Selbstaspekte und ist damit Konstituent einer Persönlichkeit.

Spontaneität stellt nicht - wie Moreno es postuliert - ein primäres und positives Phänomen dar, mit dem der kindliche Organismus ausgestattet eine erfolgreiche Anpassung an die Lebenswelt gelingt. Spontaneität entsteht nach der Meinung des Humanistischen Psychodramas im Zeitraum und Maße der Identitätsfindung des Individuums als lebenslangem Tariergeschehen. Spontaneität ermöglicht nicht - wie im Klassischen Psychodrama - die Anpassung, sondern Spontaneität entsteht aus gelungener Synthese und hat die Lebenssituation verändernde Potentiale. Nicht die Ausstattung des Organismus mit Spontaneität lässt diesen das der Weltausgesetztsein überleben, sondern die Spontaneität eröffnet dem Menschen, sich die Welt wohnlich zu machen, indem sie hilft, die Welt für seine Bedürfnisse zu verändern.

Spontaneität ist nicht - wie Moreno denkt - eine rudimentäre zerebrale Funktion, Spontaneität ist das Ergebnis gelungener Sozialisation und erlangter Identität. Ein Säugling ist nicht primär spontan, er verhält sich primär entsprechend seiner biologischen Ausstattung, welche sich im psychosozialen Kontext modifiziert. Hieraus erklärt sich Morenos "Handlungshunger". Spontanes Verhalten des Kindes wird erst möglich mit der sich entwickelnden Entscheidungsfreiheit darüber, Abstand zu nehmen einerseits von egoistischen Befriedigungen und andererseits sich selbst zugunsten der äußeren Rollenerwartungen aufzugeben. Spontaneität ist Produkt erfolgreicher Identitätsbildung.

 

Literatur

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  6. Moreno J. L. Psychodrama und Soziometrie, Edition Humanistische Psychologie, Köln, 1989, 5. Kapitel Seite 77
  7. Moreno, J. L. Spontaneitaet und Katharsis. In: Fox, Jonathan (Hrsg.), Psychodrama und Soziometrie. Essentielle Schriften. Koeln: Edition Humanistische Psychologie, 1989, Seiten 77-1
  8. dtv Atlas zur Psychologie, Band 1, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1987, Seite 197
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  11. Winnicott, D. W. Vom Spiel zur Kreativität, Stuttgart, 1979
  12. Hehlmann, W. Wörterbuch der Psychologie. Kröner Verlag, Stuttgart, 1968;9
  13. Schäfers, B. (Hrsg.) Grundbegriffe der Soziologie, UTB, Leske und Budrich, Opladen, 1986
  14. Griese, H; Nikles, B.; Soziale Rolle. Zur Vermittlung von Individum und Gesellschaft. In: Rülcker, C. (Hrsg.): Ein soziologisches Studien- und Arbeitsbuch, UTB, Opladen, Leske und Budrich, 1977