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Soziometrie

Unter Soziometrie versteht man die Erfassung des emotionalen Beziehungsgeflechts in einer Gruppe durch die Erhebung von Wahlen und Ablehnungen der anderen Gruppenmitglieder. Sie wurde von Jakob Levi Moreno zu Beginn dieses Jahrhunderts mit der Intention entwickelt, nicht nur ein Messinstrument für Gruppenprozesse in der Hand zu haben, sondern gleichzeitig ein Mittel zur Veränderung und zur Behebung von Störungen bereitzustellen: Er ging davon aus, dass die Kenntnis der sogenannten Tiefenstruktur direkt zu einer Veränderung führen muss.

Auf dieser Grundlage entwickelte er Soziometrie auch zu einer politischen Idee zur Revolution der Gesellschaft von innen. Diese Tendenz blieb allerdings weitgehend bedeutungslos.

Die Sozialwissenschaften übernahmen hauptsächlich den messtheoretischen Aspekt und entwickelten auf der Basis der Statistik Auswertungsmöglichkeiten wie Häufigkeitstafeln, Rangreihen, Kohärenzindizes etc. Mehr anwendungsbezogene Verfahren sind Darstellungsformen wie das Soziogramm, in dem ähnlich der Lewinschen Feldtheorie die Personen, ihre Wahlen und Ablehnungen graphisch mit Symbolen und Pfeilen aufgetragen werden.

Die Anwendung der Forschungs- und Auswertungsmethoden brachte Ergebnisse über die Zusammenhänge von soziometrischem Status, Wahlverhalten, sozio-ökonomischer Stellung, Stabilität von Gruppenstrukturen usw.

Im Psychodrama liegt heute der Anwendungsschwerpunkt von Soziometrie als Interventionsinstrument. Bereits Moreno hatte Soziometrie als einen Teil der Trias "Psychodrama - Soziometrie - Gruppenpsychotherapie" konzipiert. Es existieren eine Vielzahl von Möglichkeiten, soziometrisch in Gruppen zu arbeiten und so spielerisch ein sehr ernstes Thema, nämlich die Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander, zu bearbeiten und vermittels Restrukturierung zu verbessern.