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Autogenes Training - auch für Kinder

Inhalt



 

Autogenes Training
nach Professor J. H. Schultz

Inhaltsverzeichnis

1. Kurze Einführung in das Autogene Training
2. Physiologie und Anatomie
3. Die Wirkungen des Autogenen Training
4. Die Übungsschritte im Autogenen Training
5. Mögliche Anwendungsgebiete im Autogenen Training
5.1 Autogenes Training zur Schmerzbehandlung
5.2 Autogenes Training bei Migränebehandlung
5.3 Autogenes Training in der Paartherapie
5.4 Autogenes Training mit Kindern
6. Unterschiede zu anderen Entspannungsmethoden
6.1 Hypnose
6.2 Progressive Muskelrelaxation nach Edmund Jacobson
7. Zusammenfassung
8. Literaturangaben

 

1. Kurze Einführung in das Autogene Training

Das Autogene Training wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts von Prof. Dr. med. Johannes Heinrich Schultz aus der Hypnose entwickelt und in den 20er/30er Jahren des letzten Jahrhunderts zu einer international anerkannten Methode ausgebaut.

Professor Johannes Heinrich Schultz, geb. am 20. Juni 1884 und gestorben am 19. September 1970, war Psychiater und schulenunabhängiger Psychotherapeut. Er arbeitete u.a. in der Nervenheilanstalt Chemnitz und in der Psychiatrischen Universitätsklinik Jena und ließ sich 1924 als Nervenarzt in Berlin nieder.

Neben vielen anderen Verdiensten entwickelte er das Autogene Training auf der Grundlage der Hypnose heraus. Erstmals veröffentlichte er die Entspannungsmethode 1926 als „autogene Organübung“, 1928 umbenannt in Autogenes Training.

Die Übersetzung des Fachbegriffs "Autogenes Training" verdeutlicht das Ziel dieser Methode. Der Begriff Autogen entstammt aus dem griechischen und setzt sich zusammen aus autos  = "selbst" und  genos  = "entstehendes". Der Begriff Training stammt aus dem englischen und bedeutet "Üben".
Autogenes Training bedeutet also ein aus sich selbst heraus
entstehendes Üben um Entspannung zu erlernen und eine ausgleichende Regulierung des vegetativen Nervensystems zu schaffen, welches zum Wohlbefinden im körperlich-seelischen Entspannungszustand führt.

Mit eigenen suggestiven Kräften soll körperliche und seelische Entspannung eingeübt und hervorgerufen werden.

 

2. Physiologie und Anatomie

Wie bereits oben beschrieben soll beim Autogenen Training mit eigenen selbst beeinflussenden Kräften eine Entspannung eingeübt werden. Dies geschieht durch eine ausgleichende Regulierung des vegetativen Nervensystems, welches nur indirekt zu beeinflussen ist.
Um dies zu verdeutlichen, erfolgt nun eine kurze Einführung in das menschliche Nervensystem.

Das Nervensystem des Menschen unterteilt sich in das zentrale und das periphere Nervensystem.
 
Das ZNS liegt im Gehirn und im Rückenmark und erfüllt verschiedene Aufgaben.

Es integriert alle sensiblen Reize, die von innerhalb oder außerhalb des Organismus zugeleitet werden, es koordiniert sämtliche motorische Eigenleistungen des Organismus und reguliert ablaufende innerorganische  Abstimmungsvorgänge.

Das periphere Nervensystem liegt außerhalb von Gehirn und Rückenmark und unterteilt sich in das somatische  und das autonome bzw. vegetative Nervensystem.

Das Somatische Nervensystem wird auch als willkürliches Nervensystem bezeichnet, da es bewusst Körperfunktionen kontrollieren kann. Es regelt Funktionen, die der Beziehung nach außen dienen, der Motorik wie auch der Oberflächen- und Tiefensensibilität.

Das autonome/vegetative Nervensystem vermittelt biologisch festliegende, somit automatisch ablaufende  Anpassungs- und Regulationsvorgänge. Sie können vom Menschen nicht direkt willentlich, allenfalls indirekt, beeinflusst werden.

Das autonome Nervensystem regelt u.a. die lebenswichtigen Funktionen der Atmung, des Kreislaufs, der Verdauung, des Stoffwechsels, der Düsensekretion, der Körpertemperatur und der Fortpflanzung

Es passt die Prozesse im Körperinnern an die äußeren Belastungen des Organismus an.

Das autonome Nervensystem dient der Regulation des inneren Milieus, d.h. es sorgt für den Informationsaustausch zwischen den Organen, wobei das ZNS häufig miteinbezogen wird.

Der efferente Anteil des vegetativen Nervensystems (absteigende Bahnen im Gegensatz zu den afferente Nervenfasern) gliedert sich in Sympathikus und Parasympathikus.

Beide Teilsysteme wirken weitgehend auf dieselben Organe ein, der Sympathikus regt an und der Parasympathikus beruhigt.

Die beiden Systeme unterscheiden sich in 2 Aspekten:

  1. Die anatomischen Merkmale
    Die zentralen Zellgruppen kommen aus unterschiedlichen Bereich des ZNS.
    Der Sympathikus aus dem Brust- bis zum Lendenbereich des Rückenmark; der Parasympathikus aus dem  Kreuzmark der unteren Wirbelsäule und dem Hirnstamm

  2. Die funktionalen Prinzipien
    Sympathikus und Parasympathikus wirken gegenläufig, d.h. antagonistisch auf die Erfolgsorgane.
    Bei der Reizung von sympathischen Nerven schlägt das Herz schneller, die Verdauungstätigkeit nimmt ab, es kommt zur Bronchialdilatation (Erweiterung der bronchialen Muskulatur) und der Energiestoffwechsel nimmt zu.
    Es kommt also zu einer momentanen erhöhten Leistungsfähigkeit des Organismus.
    Dies wird auch als „ergotrophe Reaktionslage“ beschrieben und bedeutet die Lebenserhaltung in Auseinandersetzung mit der Umwelt.

    Bei der Reizung des Parasympathikus nimmt die Schlagfrequenz des Herzens ab, die Verdauungstätigkeit steigt an und es kommt zur Bronchienkonstriktion (Kontraktion der bronchialen Muskulatur) .
    Der Parasympathikus wirkt also eher dämpfend auf die Funktion des Organismus.
    Dominiert der Parasympathikus handelt es sich um eine „trophotrope Reaktionslage“, die Regenerationsfunktion des Organismus wird wahrgenommen.

    Beide Systeme sind immer aktiv.

3. Die Wirkungen des Autogenen Training

Das Autogene Training hat den Zweck mit den unter Punkt 4 beschriebenen Übungen sich immer mehr innerlich zu lösen und für den Organismus eine Umschaltung zu erreichen, die Gesundes stärken und Ungesundes mindern soll.
Anwendungsgebiete sind stressbedingte und mit psychischen Belastungen einhergehende Beschwerden, wie z.B. Depressionen, chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Unruhe, Burnout, Bluthochdruck, Phobien, Migräne und Kopfschmerzen.

Autogenes Training hat die unterschiedlichsten Auswirkungen auf den körperlichen Organismus, wie z.B.:

  • Erholung und Entspannung
  • die Entwicklung einer sensiblen Körperwahrnehmung
  • die Entwicklung einer gelassenen Grundhaltung, um mit Alltagsbelastungen und inneren Spannungen entspannter umzugehen
  • Leistungs- und Gedächtnissteigerung,  insbesondere der Merkfähigkeit (z.B. bei Vokabeln lernen)
  • Änderung von Sinneserlebnissen (in der Entspannung)
    Empfindungserlebnisse durch konzentrative Hinwendung ändern (steigern oder mindern) , z.B. Schmerzminderung (s. Kapitel 5.1)
  • Gefäßregulierung (normale gute Durchblutung durch Muskeltonus)
  • Selbstbeherrschung ( bei Essen, Alkohol, Rauchen) durch formelhafte Vorsatzbildung, z.B.
    „ich möchte mich mehr und mehr bewegen / besser ernähren“
    „Ich vertrete mein Recht“
    „Ich brauche keine Zigarette“
    Vorsatzbildung geschieht in der Entspannungsphase, vor dem Zurücknehmen.
    Vorsätze sollten immer positiv formuliert werden und kein Verzicht ausdrücken
  • Vertiefung der Selbsterkenntnis
  • psychosomatische Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Bluthochdruck verbessern
  • Schutz gegen unspezifische Stressbelastungen
  •  Prävention


Beim Autogenen Training unterschied J.H. Schultz zwischen der Unter-und der Oberstufe.
Die im nächsten Punkt beschriebenen Übungen bezeichnet J.H. Schultz als Unterstufe des Autogenen Trainings und diese dient der Entspannung.

Alle zusätzlichen Möglichkeiten der Therapie fügt er als Oberstufe hinzu.
Diese Übungen dienen der tieferen Verarbeitungen bei besonders schweren Störungen und bauen auf den Versunkenheitszustand der Unterstufe auf.

Vor der Beschäftigung mit der Oberstufe muss man die Unterstufe beherrschen. Es sollte dazu ca. ein halbes Jahr jeden Tag dreimal Autogenes Training durchgeführt werden.
Beispielhaft werden in der Oberstufe mit Symbolerleben, Analgesien und Farberlebnissen gearbeitet.
Es kommt auch zu Intensitätssteigerung der Unterstufe z.B. bei  Arbeitshemmung, Unsicherheit und Angst.

Autogenes Training in der Oberstufe sollte mit einem Therapeuten durchgeführt werden, da im Anschluss der Übungen die visuellen und gedanklichen Einfälle und Erscheinungen verarbeitet werden müssen.

Häufige Störungen und Schwierigkeiten während des Autogenen Trainings können entstehen z.B. durch

  • Einstellung der Trainingsperson
    („ich muss mich entspannen“; „ich will und muss etwas bestimmtes erreichen“)
  • Initialunruhe
    Vorgespräche sind unbeding notwendig um Erwartungen zu verdeutlichen.
  • Haltungs- und Spannungsstörungen
    Dies geschieht häufig, wenn Sitz- und Liegepositionen nicht korrekt eingenommen werden.
  • abnorme Schwere nach den Übungen
    sinnvoll ist es dann, nochmals zu entspannen, sich auf das Gefühl der Schwere zu konzentrieren und dann erneut zurückzunehmen.
  • Schweißstörungen
    dabei ist es wichtig gelassen zu bleiben und keine Panik aufkommen zu lassen.
  • Paraesthesien
    dies sind Mißempfindungen, z.B. Ameisen laufen über die Kopfhaut; Stechen im Fuß; Jucken am Körper,
    dabei sollte das Gefühl zugelassen, es aber nicht so wichtig genommen werden.
  • Schlafstörungen
  • Interferenz von Herz- und Atemrhythmus


Das Prinzip bei den oben genannten Störungen ist, die Gefühle zu akzeptieren aber nicht zu fokussieren.

Kontraindikation für Autogenes Training sind schwere Angstzustände, Wahnvorstellungen und schwere Persönlichkeitsstörungen. Dort besteht die Gefahr, dass sich die Symptome verschlechtern.

4.  Die Übungsschritte im Autogenen Training

Autogenes Training wird meistens in Gruppen mit 6 – 12 Personen erlernt.
Im Autogenen Training gibt es sechs Übungsabschnitte:

Ruhetönung, Schwereübung, Wärmeübung, Atemübung, Herzübung, Sonnengeflechtsübung und die Stirnkühle.

Bevor das Autogene Training durchgeführt wird, muss die richtige Haltung eingenommen werden. Es gibt hierbei drei verschiedene Möglichkeiten:
liegend,sitzend in angelehnter Position und die Droschkenkutscherhaltung. Sinnvoll ist es verschiedene Haltungen auszuprobieren um herauszufinden, welche die bequemste und entspannenste für jeden einzelnen ist.
Das erlernen des Autogenen Trainings in sitzender Position hat den Vorteil, dass diese Position an den verschiedensten Orten einfacher durchzuführen ist als im Liegen.

Als nächstes werden die Augen geschlossen , damit es zur Entspannung kommen kann und keine Außenreize mehr fürs Gehirn erfolgen.

Danach folgen die einzelnen Übungsabschnitte:
Die Ruhetönung dient der Eingangsübung und der Erwärmung und soll zur Konzentration verhelfen.
Die Schwereübung löst ein Schweregefühl und eine Entspannung der Muskulatur aus.
Die Wärmeübung führt zu einem Wärmegefühl in den Gliedmaßen und dient der Gefäßentspannung und der Körperwärme.
Es wurde nachgewiesen, dass während der Übungen körperliche Veränderungen vor sich gehen. Bei der Vorstellung von Wärme im Arm fand eine Umverteilung des Blutflusses in diesen Bereich statt, was wiederum zu einem messbaren Temperaturanstieg bis zu 1,1 Grad Celsius führt. Ebenso konnte bei der Schwereübung ein höheres Gewicht des Armes gemessen werden.

Bei der Atemübung kommt es durch konzentriertes ruhiges Ein- und Ausatmen zu einer Vertiefung der Entspannung.
Die Herzübung soll den Kreislauf stabilisieren, die Herztätigkeiten normalisieren und zur tieferen Beruhigung führen.
Das Sonnengeflecht, oder auch Solar Plexus genannt, ist ein Nervengeflecht, das zwischen Magen und Wirbelsäule liegt. Bei der Übung kommt es zu einer besseren Durchblutung und einem wohligen entspannten Körperzustand.
Die Stirnkühlung dient dem Wachbleiben und soll die Konzentrationskraft steigern. 

Wichtig ist es, am Schluss die Übungen zurückzunehmen, um die Körpergefühle wieder zu normalisieren. Darauf kann nur verzichtet werden, wenn es direkt in den Schlaf über gehen soll.

Damit es zu einer „Automatisierung“ beim Autogenen Training kommen soll, ist es wichtig, dass man mindestens im ersten halben Jahr täglich dreimal die Übungen durchführt.
Mit zunehmender Übung wird sich die Wirkung verstärken und auf den gesamten Körper übergehen. Mit Erfahrung kann dann in kurzer Zeit eine tiefe Entspannung  hervorgerufen werden.


5. Mögliche Anwendungsgebiete im Autogenen Training  

In den nächsten Punkten sollen kurz  Anwendungsmöglichkeiten des Autogenen Trainings beschrieben werden.


5.1 Autogenes Training zur Schmerzbehandlung

Das Autogene Training kann zur Bekämpfung bei Schmerzen jeder Art angewandt werden. Mit dem Autogenen Training soll der Schmerz in strömende Wärme umgewandelt werden, was gleichzeitig auch den Heilungsprozess durch die damit verbundene bessere Durchblutung fördern soll. Die Formel, z.B. „der rechte Fuß strömt warm“, wird nach der Wärmeübung eingebracht.


5.2. Autogenes Training bei Migränebehandlung

Bei der Migränebehandlung wird im Gegensatz zu den anderen Schmerzbehandlungen nicht mit Wärme behandelt, da dies negative Auswirkungen haben könnte.
Dort wird die Formel „Die Stirn ist angenehm kühl – der Nacken strömend warm“ nach der Übung mit dem Sonnengeflecht engesetzt. Nach einer längeren Konzentrationsphase geht man wieder zum Sonnengeflecht über.

5.3 Autogenes Training in der Paartherapie

Bei dem Autogenen Training mit Paaren soll ein gesundes „Wir“ in einer Beziehung in einer gemeinsamer Konzentration und Übung wieder herausgestellt werden. Die Partner sollen wieder zueinander finden und miteinander fühlen können.
Dabei werden die Übungen erstmal einzeln durchgeführt und nach einer ausreichenden Übungsphase gemeinsam eingeübt.

 

5.4. Autogenes Training mit Kindern

 Autogenes Training mit Kindern kann man ca. ab dem 6. Lebensjahr durchführen. Bevor man dies tut, muss man Kindern ein anschauliches Bild von dem Verhältnis der Seele  zum Körper geben.
In spielerischer Form werden die Schwere- und Wärmeübungen der Körperglieder ein geübt und zurückgenommen. Wichtig ist dabei die spielerische Form.

Indikationen sind Bettnässen, Angstzustände, Schwierigkeiten in der Schule, bei Unruhe und Unkonzentriertheit . Kinder müssen angewiesen werden, um die Übungen auch alleine durchzuführen. Ebenso ist eine Einweisungen der Erwachsenen wichtig.

Voraussetzung ist eine gewisse spielerische Konzentrationsfähigkeit.
Bei Kindern ab dem 11. oder 12. Lebensjahr kann, je nach Entwicklung, der gleiche Ablauf wie bei den Erwachsenen durchgeführt werden.


6. Unterschiede zu anderen Entspannungsmethoden

Im nachfolgenden sollen zwei andere Entspannungsverfahren und ihre Unterschiede zum Autogenen Training vorgestellt werden.

6.1 Hypnose

„Hypnos“ war der griechische Gott des Schlafes und bereits Sokrates erkannte im Mittelalter die heilenden Wirkungen von positiven Suggestionen.
Die moderne Hypnosetechnik wurde von dem Arzt Franz Anton Messmer (1734 – 1815), die Selbsthypnose von Emil Coue (1857 – 1926), einem Schüler Sigmund Freuds, entwickelt.

Hypnose wird zu therapeutischen Zwecken eingesetzt und ist ein Verfahren zum erreichen einer hynotischen Trance durch vorübergehend geänderte Aufmerksamkeit und ist meist durch tiefer Entspannung gekennzeichnet.

 

Der Zustand während einer Hypnose ist gekennzeichnet durch eine hohe Ansprechbarkeit des Unbewussten, eine hohe Konzentration auf eine bestimmte Sache, eine geringe Kritikfähigkeit des Bewußtseins. Dadurch werden bestimmte Phänomene verstärkt wahrgenommen.

Der besondere Bewusstseinszustand während der Hypnose, der nicht mit Wachen oder Schlafen gleichzusetzen ist, ist charakterisiert durch Bewusstseinsherabsetzung,

Bewusstseinseinengung, Erschlaffen der Muskulatur (Schwere), Erweiterung der peripheren Blutgefäße (Wärme), Überwiegen des Parasympathikus, Rapport (im Gegensatz zur Trance) und einem Wach-EEG.

 

Es gibt drei verschiedene Hypnosestadien:

1. Somnolenz (Schläfrigkeit)
Der Proband ist müde und auf vorgegebenen Themen eingeengt. Der Körper ist schwer und warm, Außenreize verlieren an Bedeutung. Es besteht der Eindruck, dass man den Zustand kontrollieren und jederzeit abbrechen kann, es fehlt nur der Impuls dazu.

2. Mittleres Stadium (Hypotaxie / Charme = verminderte Bewegungsfähigkeit / Ataktisch)
Der Proband ist müde und benommen. Die Aufforderungen werden befolgt,oft zur Überraschung des Probanden. Das Bedürfnis nach Kontrolle geht zurück, ein Abbrechen wird unwichtig.

3. Somnambulismus = Schlafwandel, Bewegung in der Hypnose ohne Bewusstsein
(Unterschied zum Schlafwandel ist Wach-EEG)
Dies ist der tiefste Zustand, es können Halluzinationen provoziert werden. Posthypnotische Aufträge sind möglich. Es kommt zu Amnesien nach der Hypnose.
(Halluzination= Wahnwahrnehmungen, die keine realen Veranlassungen haben)

Hypnose wird als ein außerordentlich angenehmer Zustand der Entspannung und der Müdigkeit mit Empfindungen von Wärme und Schwere erlebt.

Hypnose ist ein besonderer Bewußtseinszustand mit Einengung des Denkens und Fühlens. Er geht mit vegetativen Veränderung einher und man kann sich hinterher an den Zustand erinnern. Das Verfahren ist ungefährlich, der Wille wird nicht manipuliert. Mit Hypnose kann man nur verstärken, was der Patient wirklich will.

Die Hypnotherapie wird angewendet bei Depressionen, Suchtkrankheiten, Sprachstörungen, Steigerung des Selbstwertgefühls, Stressabbau, Schlafstörungen.


6.2 Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Edmund Jacobson

Die Progressive Muskelenstpannung wurde von dem Arzt und Physiologe Edmund Jacobson (1885 – 1976) aus der Erkenntnis heraus, dass eine Anspannung der Muskulatur häufig mit Unruhe, Angst und psychischer Verspannung verbunden ist, entwickelt.
Grundage des PMR ist die Kontrastwahrnehmung intentional an- bzw. entspannter Muskulatur.
Ziel ist eine frühzeitige Wahrnehmung von muskulären Spannungszuständen und deren aktiven Verminderung und eine Abnahme der Sympathikus – Reize mit einer Steigerung der parasympathischen Aktivitäten.
Daraus kann emotional  ein Zustand der Ausgeglichenheit und Harmonie entstehen, kognitiv kommt es zur Ruhe, Konzentration und Erholung.


Nebenwirkung können sein:

  • Verstärkung der Angst  bei Menschen mit Angstzuständen
  • Kribbeln in den Fingern, Herzklopfen und Muskelzucken – als Zeichen der Hyperventilation
  • selterner Magenknurren, Gähnen, Frösteln
  • bei Menschen mit niedrigem Blutdruck kann dieser während der Entspannung weiter absinken
  • Asthmabeschwerden können sich verstärken
  • Depersonalisation ( Störungen des Erlebens der Einheit von Wahrnehmung, Denken, Gefühlen, Motiven, Denkinhalten, Handlungen und einzelner Körperfunktionen, die in extremen Fällen den Verlust der Identität bedeuten)
  • Derealisationsphänomene (wird als eine zeitweilige oder dauerhafte abnorme oder verfremdete Wahrnehmung der Umwelt bezeichnet)


Progressive Muskelrelaxation wirkt bei psychosomatische Störungen (z.B. Schmerzen, Bluthochdruck, Angstzuständen, Schlafstörung).

PMR unterscheidet sich vom Autogenen Training so, dass es schneller erlernbar und somit auch schneller zum Erfolg führen kann. Es enthält keine suggestiven Elemente und somit ist auch kein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen nötig.
PMR kann in einer Sitzung erlernt werden und ist besonders geeignet für aktive und unruhige Menschen.



7. Zusammenfassung

Wir leben heute in einer schnellen und hektischen Zeit, in der gerade Entspannung und Erholung immer wichtiger werden.
Gerade Stress wird heute als Grundlage für viele Krankheiten angesehen, wie z.B. Herzinfarkten, aber auch Autoimmunerkrankungen.

Fast jeder kennt das Gefühl beruflich oder privat überfordert zu sein, hektisch und nervös auf die Umwelt zu reagieren.
Ein Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung gehört zu unserem Leben und ist oft wichtig um die Leistungsfähigkeit zu erhalten, bzw. zu erhöhen.

Gibt es zu viel Anspannung, also eine erhöhte Sympathikusaktivität, kann diese zu Krankheiten führen. Viele körperlichen Erkrankungen sind auf seelische Ursachen zurückzuführen.
 
Gerade Autogenes Training, wie auch anderer Entspannungsmethoden, ist dafür da, einen Ausgleich zwischen An- und Entspannung herzustellen.

Wird es gut erlernt und regelmäßig durchgeführt, kommt es zu vermehrten Erholungsphasen, die uns seelisch und körperlich gut tun und Krankheiten vermeiden.

Dies sind Erkenntnisse die wissenschaftlich fundiert sind. Dies zeigt auch, dass die  Kostenzuschüsse  für den Kurs einer Entspannungsmethode inzwischen zu den Krankenkassenleistungen zählen.

Es ist wichtig, diese Möglichkeiten zu nutzen, um unsere persönlich effektivste Entspannungsmethode zu finden und zu erlernen, um uns seelisch und körperlich vor Erkrankungen zu schützen.

 

8. Literaturangaben

Prof. J.H.Schultz, Übungsheft für das autogene Training, Stuttgart 1980

Dr. med. W. Dogs, Konzentrative Entspannungstherapie, Duisburg 1977

Helmut Brenner, Autogenes Training, Merkblätter der Psychologischen Fachgruppe Entspannungsverfahren

Helmut Brenner, Autogenes Training – Der Weg zur Inneren Ruhe, 2. überarbeitete Auflage, Lengerich 2004

Helmut Brenner, Autogenes Training Oberstufe -  Wege in die Meditation, Stuttgart 1999

Hartmut Kraft, Autogenes Training – Handbuch für die Praxis, 4. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Köln 2004

Maria Krapf / G. Krapf, Autogenes Training, 6. überarbeitete Auflage, Berlin 2004

Hannes Lindemann, Autogenes Training – der bewährte Weg zur Entspannung, München  2002

Gisela Eberlein, Autogenes Training mit der ganzen Familie, Düsseldorf 1986

Else Müller, Du spürst unter deinen Füßen das Gras – Autogenes Training in Phantasie- und Märchenreisen, überarbeitete Fassung, Frankfurt 1995

Wie Kinder erleben

Sich in einer Welt zurechtfinden zu müssen, ist eigentlich die ständige Aufgabe und Anforderung, mit der ein Kind lebt. Die bekannte Entspannungsmethode des Autogenen Trainings spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle, denn sie kann für Kinder ein wichtiges Hilfsmittel bei der Lösung der eben genannten Aufgabe und bei der Bewältigung von Lernanforderungen sein.

Wir Erwachse erleben nur noch selten Situationen in denen wir zum ersten Mal etwas sehen oder erleben. Die Situation der Begegnung mit dem Neuen und Ungewohnten ist die grundsätzliche Lebenssituation des Kindes. Und um so jünger ein Kind ist, desto weniger Sinn kann es einer Begegnung zuschreiben.

Übersteigern die gesetzten Anforderungen die Fähigkeiten eines Kindes geringfügig, findet Lernen statt. Überragen die Anforderungen die Fähigkeiten jedoch zu weit, ist das Kind überfordert. Die Folge einer kindlichen Überforderung ist andauernde Verunsicherung, Angst und schlussendlich Verweigerung. Unterforderung findet statt, wenn die Anregungen deutlich und dauerhaft unter den Fähigkeiten eines Kindes liegen. Sowohl Über- als auch Unterforderung bedeuten für ein Kind Stress.

Kinder sind darauf angewiesen, sich nicht zu oft und zu lange mit Situationen auseinander setzen zu müssen, die sie noch nicht bewältigen können. Sie brauchen die Möglichkeit, Einfluss auf die an sie gestellten Anforderungen nehmen zu können.

Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, Kinder bei der Herstellung ihrer individuellen Balance zwischen äußeren Anforderungen und eigenen Fähigkeiten zu unterstützen. Kinder wachsen in einer Kultur auf, die laut und schnelllebig ist. Eine kindliche Unterstützung kann zum einen sein, dass den Kindern ausreichend Zeit und Raum für Stille gegeben ist und zum anderen genügend Geborgenheit.

Die Möglichkeit zu haben, sich aus den Anforderungen des Alltages zurückzuziehen, ist eine notwendige Voraussetzung zum Erhalt der Gesundheit. Kinder sind häufig Bedingungen ausgesetzt, die den organischen Wechsel zwischen Leistung und Erholung nicht in ausreichendem Maße Aufmerksamkeit schenkt. Gesundheit entsteht aus dem Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung.

Das Autogene Training ist ein Werkzeug, mit dem Kinder positiv auf ihre Balance zwischen Anforderungen und Fähigkeiten einwirken können. Die Entspannungsmethode erfüllt beim Kind den gleichen harmonisierenden Zweck wie beim Erwachsenen. Das Kind findet hier eine Möglichkeit sich aus überfordernden Situationen zurückzuziehen und sich auf bevorstehende Aufgaben besser vorzubereiten.

Das Autogene Training ist eine wertvolle Gelegenheit, Stille, Geborgenheit und Zuwendung zu schenken und miteinander zu teilen, wenn es von Erwachsenen und Kindern geübt oder von den Erwachsenen an die Kinder vermittelt wird. Für Eltern und Erziehende kann das Autogene Training ein wertvoller Begegnungsraum mit dem Kind sein.

In der Medienwelt spielt das Fernsehen inzwischen für Kinder eine bedeutende Rolle. Viele Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren haben einen eigenen Fernseher und sitzen bis Mitternacht und länger davor. Nicht selten übernimmt der Fernseher die Aufgabe der Kinderbetreuung. Dennoch kann er für Kinder ein Auslöser von Stress sein. Der Inhalt mancher Filme oder Berichterstattungen im Fernseher erschreckt selbst Erwachsene. Für Kinder stellt das Fernsehen sogar allein schon deshalb häufig eine Überforderung dar, weil die Inhalte ebenso wie auch das Tempo oder die Form der Darbietung für sie nicht sinnvoll zu verarbeiten sind. Die immer stärker werdenden Eindrücke auf der einen Seite treffen auf eine Verarmung der eigenen Aktivität und der eigenen Phantasie auf der anderen Seite.

 

Leistung und Erholung

Ein Gleichgewicht zwischen Unterforderung und Überforderung ist eine Voraussetzung für Gesundheit, für die psychische Entwicklung und das körperliche Wohlbefinden.

Kinder sind mit Freude ständig auf der Suche nach ihren eigenen Leistungsgrenzen, wobei auch Langeweile oder ein paar Minuten zu dösen für sie problemlos zu ertragen ist. Schwierig ist es jedoch für Kinder, wenn Ruhe oder große Belastung ein Dauerzustand wird. Ein harmonischer Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung sollte stets angestrebt werden. Der Körper ist darauf angewiesen, den natürlichen rhythmischen Wechsel von Leistung und Erholung zu erhalten. Leistungsbereitschaft ist von den Phasen der Entspannung und die Aktivität des Tages von der Erholung in der Nacht abhängig. Kinder benötigen einen längeren Nachtschlaf als Erwachsene und einen schnelleren Wechsel von Anspannung und Entspannung, bzw. von Leistung und Erholung auch im Tagesverlauf.

"Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare" (Christian Morgenstern). Um einem Kind Autogenes Training nahe zu bringen, ist es notwendig und hilfreich, die Besonderheiten der körperlichen Entspannung zu kennen, da hierdurch auf den Zustand der Anspannung aufmerksam gemacht und frühzeitig ein schädliches Ungleichgewicht wahrgenommen werden kann. Das vegetative oder auch autonome Nervensystem reguliert ohne bewusste Wahrnehmung und unwillentlich die lebenserhaltenden Aktivitäten der Organe. Es ist die Zentrale der körperlichen Selbstregulation. Der Körper kann sich also "automatisch" an die äußeren Umweltbedingungen anpassen und bei geänderten Anforderungen sich dementsprechend regulieren. Es gibt zwei Zustände: der Leistungs- und der Erholungszustand. Der Leistungszustand stellt sich z. B. ein, wenn jemand erschrickt. Der Sympathikus (Leistungssystem des autonomen Nervensystems) ist in einem solchen Zustand für die Energiefreisetzung verantwortlich. Das Herz fängt an zu rasen, die Atmung wird schnell, es breitet sich ein Hitzegefühl aus und die Sinne sind angespannt aufmerksam. Der Körper ist nun auf maximale Kraftentwicklung, Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit eingestimmt. Dieser Zustand garantiert Überlebensfähigkeit, setzt aber entsprechende Phasen der Erholung voraus.

Der Erholungszustand ist der Gegenspieler zum Leistungszustand, so wie der Parasympathikus (Erholungssystem des autonomen Nervensystems) der Gegenspieler zum Sympathikus ist. Dessen Aufgabe ist die Wiederherstellung der körperlichen Ausgeglichenheit. Hier geschieht eine Zurücknahme körperlicher Veränderungen und die Aufmerksamkeit nimmt ab. Der Schlaf wird als die stärkste Stufe diesen Zustandes verstanden. Charakteristisch äußert sich der Erholungszustand in einer ganzkörperlichen wohligen Wärme, Kühle im Kopf, Abnahme des Blutdruckes, Beruhigung und Gleichmäßigkeit des Atemrhythmus und Abnahme der Wachheit. Nach einer solchen Erholungsphase bereitet sich der Körper wieder auf einen eventuellen Leistungszustand ein, wo sich der Kreis von Leistung und Erholung schließt.

Ziel des Autogenen Trainings ist es, die ja eigentlich unwillkürliche Umschaltung von Leistung und Erholung willkürlich einzustellen. Handlungen, Gedanken und Vorstellungen beeinflussen den Zustand des Körper und der Körper wiederum beeinflusst den Zustand der Psyche. Gesundheit ist als ein psychosomatisches Ganzes zu verstehen. Stress, der durch Unter- oder Überforderung erwächst, kann einen für Lernstörungen typischen Teufelskreis auslösen. Unter Stressbelastung erscheinen die Anforderungen zusätzlich erhöht und selbst bereits erworbene Fähigkeiten stehen nicht mehr uneingeschränkt zu Verfügung. Das Kind leistet unter seinem sonst möglichen Leistungsniveau. Bekommt das Kind keine Möglichkeit, ohne Belastung eine Situation einfach zu bewältigen, entsteht eine schädigende Dauerbelastung, die das Kind schlussendlich auch körperlich angreift. In Schulen sind die an Kinder gestellten Lernanforderungen weitgehend vorgegeben. Hier hat ein Kind, dass nicht den Anforderungen entspricht, keine Möglichkeit der Dauerbelastung und somit dem Teufelskreis der Überforderung oder Unterforderung auszuweichen.

Überforderung entsteht oft durch zu großen Ehrgeiz und überhöhte Erwartungen der Eltern oder Erziehenden. Diese haben meist positive Absichten, welche aber die Wahrnehmung des Kindes zu sehr unberücksichtigt lassen. Zeichen für ein überfordertes Kind können Schlafstörungen, Nervosität, Unkonzentriertheit, Jähzorn, Ängstlichkeit, Krankheit (Magenbeschwerden, Allergien), Übergewicht , nächtliches Einnässen und Fingernägelkauen sein. Der Ursprung von Überforderung muss nicht ausschließlich in der Schule zu finden sein. Auch ungelöste Konflikte zwischen den Eltern, durch allgemein zu hohe Leistungsansprüche, durch plötzliche Änderungen in den Lebensverhältnissen (z. B. Scheidung der Eltern) oder vieles mehr kann Ursache dessen sein. Hier ist es notwendig zu versuchen, die belastende Situation zu verändern und das Kind erweiterte Schonräume und Erholungszeiten zu bieten. Geborgenheit und angenehme Lernerfahrungen vermitteln jetzt dem Kind Sicherheit und Selbstvertrauen.

Neben o. g. Wegen, kann das Autogene Training in diesem Zusammenhang bei der Herstellung einer Balance zwischen Anforderungen und Fähigkeiten unterstützen, da es die Konzentrationsfähigkeit des Kindes erhöht. Ruhe und Gelassenheit ersetzen Versagensängste. Das Kind lernt die Anzeichen eigener Überforderung eher wahrzunehmen und rechtzeitig durch Autogenes Training eine Entlastung herbeizuführen. Autogenes Training stärkt die Selbstregulation des Kindes und hilft so bei der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme.

Wie Forschungsergebnisse belegen, gibt es Verbindungen zwischen dem Gehirn und den Organen unseres Immunsystems, wodurch unsere Gedanken und Gefühle unmittelbaren Einfluss auf den Körper und den Erhalt unserer Gesundheit nehmen. Die Hoffnung auf Heilung macht bereits einen Teil der Heilung aus. Im Gegensatz zum verstandesgeprägten Erwachsenen, steht Kindern mit ihrer Phantasie und ihrem Glauben der Effekt, aus geistiger auch körperliche Wirklichkeit werden zu lassen, noch unverstellt zur Verfügung.

 

Autogenes Training mit Kindern

Bei der Schaffung eines Ausgleichs haben Entspannungsmethoden, wie das Autogenen Training eine große Bedeutung. Mit dem Erlernen einer solchen Methode wird die Fähigkeit erworben, jederzeit und überall absichtsvoll die vegetative Umschaltung des Körpers von Leistung zu Erholung einzuleiten. Man erlernt mitten im Geschehen Stille und Entspannung zu finden. Die vegetative Umschaltung kann normalerweise nicht willkürlich herbeigeführt werden, da sie autonom geschieht. Sie folgt den Mechanismen der körperlichen Selbstregulation. Die inneren Organe unterliegen nicht der Befehlsgewalt unseres Bewusstseins, wie etwa die Fortbewegungsmuskulatur. Wir können dem Herz nicht befehlen, langsamer zu schlagen, oder Verdauungssäfte auf Kommando ausschütten. Alle Entspannungsmethoden bedienen sich daher bestimmter Umwege, um das gewünschte Ziel, den Zustand körperlicher Erholung, zu erreichen. Diese Umwege, denen sich auch das Autogenen Training bedient, löst das Problem der Autonomie der vegetativen Umschaltung.

Die Entspannung entsteht im Autogenen Training durch die konzentrierte Wahrnehmung körperlicher Veränderungen und durch die gezielte Beeinflussung über bestimmte Vorstellungsbilder. Kinder sind meistens ihren Körperempfindungen noch sehr nahe und besonders gut in der Lage, sich etwas intensiv vorzustellen. Die menschliche Aufmerksamkeit ist in erster Linie nach außen gerichtet. Wir sehen, hören, riechen, schmecken, befühlen oder ertasten unsere Umwelt. Die Vorgänge im Körper nehmen wir nur in besonderen Fällen wahr. Unsere Unterscheidungsfähigkeit in den nach außen gerichteten Sinnen ist groß, wobei die Unterscheidungsfähigkeit der nach innen gerichteten Sinne sehr klein sind. Im Alltag ist diese mangelhaft ausgebildete Empfindsamkeit dem Körper gegenüber auf den ersten Blick sogar sinnvoll und entlastend. Unser Körper funktioniert einfach. Häufig nehmen wir dadurch aber Störungen, die sich anbahnen, ja sogar ernsthafte Erkrankungen erst dann wahr, wenn sie schon weit fortgeschritten sind. Wir sind nur dann in der Lage zu lernen, uns absichtsvoll zu entspannen, wenn wir die zur vegetativen Umschaltung in die Entspannung gehörenden Körperprozesse wahrnehmen können. Ein Weg zur bewussten Entspannung liegt also darin, das autonome innerkörperliche Geschehen ins Bewusstsein zu heben. Durch den Umweg der Vorstellung wird all das möglich, was wir direkt willentlich nicht herbeiführen können. Wenn wir hungrig sind, reicht bereits die Vorstellung von etwas Essbaren aus, um unsere Verdauungssysteme zu aktivieren und der Anblick einer Zitrone erhöht den Speichelfluss. Mit Erfahrungen werden Bilder, Geräusche, Gerüche, Geschmacks-, Berührungs- und Tasterlebnisse mit bestimmten Reaktionen des vegetativen Nervensystems verbunden. Treten bestimmte Empfindungen mehrfach hintereinander auf, so werden sie aneinander gekoppelt. Dieses Assoziieren ist die einfachste Lernform und Kinder lernen zunächst dadurch.

Ein Kind, dass z. B. Schulprobleme hat, bringt eine schlechte Note mit nach Hause. Die Eltern bestrafen das Kind dafür und fordern, dass es sich mehr anstrengt. Bei der nächsten Prüfungsarbeit ist das Kind ängstlich und aufgeregt, was die Konzentration beeinträchtig und wiederum zu einer schlechten Note führt. Dann reicht irgendwann schon die Ankündigung der nächsten Arbeit aus, um die Vorstellung des Versagens und somit Stress bei dem Kind auszulösen. Diese Vorstellung wird für das Kind zum Dauerzustand, was auch körperliche Symptome, wie Magenprobleme verursachen kann.

Kinder lernen anders als Erwachsene. Kinder lernen weniger über zergliederndes Verstehen, sondern mehr über ganzheitliche Erfahrung. Deshalb muss den Kindern auch das Autogenen Training anders beigebracht werden. Die Vermittlung des Autogenen Trainings beginnt mit der ungestalteten Ganzheit der körperlichen Erfahrung von Anspannung und Entspannung. Die Kinder entdecken dann selbst nach und nach die Elemente, aus denen sich die bewusste Einleitung der vegetativen Umschaltung zusammensetzt. Die Aufgabe des Vermittelnden besteht darin, die kindliche Neugier während des ganzen Lernprozesses lebendig zu erhalten.

Kinder sind in besonderem Maße in der Lage, eine Vorstellung Wirklichkeit werden zu lassen und eine Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit besteht für Kinder kaum. Deshalb führen Vorstellung bei Kindern oft auch zu körperlichen Reaktionen. Dieses Phänomen wird als ideomotorischer Effekt bezeichnet. Generell ist der psychosomatische Zusammenhang unmittelbarer gegeben als bei Erwachsenen. Diese Eigenschaften sind in jeder Hinsicht die besten Voraussetzungen für die Beherrschung des Autogenen Trainings. Aufgabe bei der Vermittlung dieser Methode an Kindern ist es, die Entfaltung dieser Voraussetzungen zu unterstützen.

Das Erlernen des Autogenen Trainings ist bei Erwachsenen ein systematischer Lernprozess. Erwachsene üben Schritt für Schritt die einzelnen Elemente (Schwere-, Wärme-, Atem-, Herz-, Bauch- und Stirnübung) des Autogenen Trainings bis nach Wochen die Möglichkeit entsteht, sich überall und zu jeder Zeit in wenigen Minuten tief entspannen zu können. Obwohl letztlich mit Kindern das gleiche Ziel angestrebt wird, sollte der Ablauf des Lernprozesses völlig anders gestaltet werden, um die besonderen Fähigkeiten der Kinder möglichst optimal zur Geltung kommen zu lassen.

Zuerst erzählt man den Kindern einfache fesselnde Phantasiegeschichten. In den Geschichten tauchen ungeordnet und scheinbar zufällig einzelne Grunderfahrungen des Autogenen Trainings auf. Diese Anteile der Geschichten, die sich mit den Grunderfahrungen des Autogenen Trainings befassen, werden mit der Zeit immer mehr vereinheitlicht, so dass eine festere Abfolge von Formen und Bildern entsteht, die sich mit Entspannung befassen. Kinder lassen sich auf die Erzählungen ein und berichten über ihre Phantasieerlebnisse, bis sie dann auch von sich auf die Entspannungsanteile aufmerksam machen und über ihre Körperempfindungen berichten. Man bespricht die Empfindungen mit ihnen und macht ihnen Zusammenhänge bewusst. Nach und nach verringert man die unterhaltenden Anteile der Geschichten und arbeitet auf diese Weise die Struktur des Autogenen Trainings heraus. Der Erzähler stellt sicher, dass die Grundübungen "Schwere", "Wärme" und "Atmung" nach einiger Zeit deutlich wahrzunehmen sind, wobei allein das Kind das Lerntempo bestimmt. Ziel der Lernprozesse ist eine feste Übungsform, die sich aus den erzählten Geschichten herauskristallisiert. Diese Übungsform können die Kinder dann auch außerhalb der erzählten Geschichten eigenständig zur Entspannung anwenden. Die Vermittlung des Autogenen Trainings verläuft also bei Kindern, anders als bei Erwachsenen, von der Ganzheit zur Struktur.

Bei Kindern ist die Aufmerksamkeitsspannung kürzer als bei Erwachsenen und sie wollen häufiger als Erwachsene aktiv werden. Der Drang der Kinder nach Bewegung ist kein Zeichen von Unkonzentriertheit, sondern ein Teil ihrer speziellen Art, die Welt zu erfahren. Im Autogenen Training gibt es einige Bewegungs- und Erlebnisspiele, bei denen der körperlichen Bewegung neben den Phasen der Entspannung eine gleichberechtigte Rolle zukommt. Diese Bewegungs- und Erlebnisspiele haben sich im Rahmen der Vermittlung des Autogenen Trainings an Kinder besonders bewährt, da die Vermittlung an Kinder generell von Bewegung zu Ruhe verläuft. Sie dienen dazu, überschüssige Energien der Kinder abzuführen, die Körperwahrnehmung zu erhöhen, d. h. die typischen Merkmale körperlicher An- und Entspannung selbst zu entdecken und schließlich Prinzipien , die im Autogenen Training zur Wirkung kommen, direkt anschaulich zu machen. Beispiele für Bewegungsspiele sind das Nachahmen von Tieren, das Tanzen zu rhythmisch verschiedener Musik, die sie auffordert, sich im Einklang zur Musik zu bewegen, oder Pantomimespiele. Bewegungsspiele haben die Aufgabe der Energieabfuhr und der Köpererfahrung. Sie sollen den Kindern den Übergang in die Entspannung erleichtern. Erlebnisspiele hingegen haben die Aufgabe der Erklärung und Überzeugung. Es geht bei diesen Spielen darum, die Grundprinzipien des Autogenen Trainings (Vertrauen haben, nachgiebig sein, geschehen lassen, sich etwas vorstellen und erzählte Bilder übernehmen) zu veranschaulichen. Ein Beispiel für ein Erlebnisspiel ist der Pendelversuch. Bewegungsspiele können mit Kindern vor jeder Entspannungsübung durchgeführt werden. Erlebnisspiele dagegen sind dafür gedacht, im Verlauf der gesamten Vermittlung des Autogenen Trainings in bestimmten Lernphasen eingestreut zuwerden.

Bei der Körperhaltung sollte bei der Vermittlung des Autogenen Trainings an Kinder zunächst mit einer liegenden Haltung begonnen werden, da diese Haltung über den Schlaf die größte Erfahrungsnähe zum Entspannungszustand bringt. Bei Kindern sollte allerdings anders als bei Erwachsenen jede Festlegung vermieden werden. Das Kind soll sich in seiner Haltung wohl fühlen, wozu z. B. Decken oder Kissen helfen können. Die Liegehaltung muss nicht ausschließlich in der Rückenlage sein, wobei diese der Entspannung ausgesprochen entgegenkommt. Kinder fühlen sich aber anfangs oft in der Bauch oder Seitenlage wohler, da diese Haltungen ihnen das Gefühl von Sicherheit gibt.

Wenn das Autogene Training nach einiger Zeit besser beherrscht wird und sich die reine Übungsform herauszukristallisieren beginnt, können mit den Kindern zusätzliche Sitzhaltungen eingeübt werden. Somit wird nämlich dem Kind ermöglicht, sich zu jeder Zeit und überall entspannen zu können. Die am vielfältigsten einsetzbare und gleichzeitig unauffälligste Form des Sitzes ist die Droschkenkutscherhaltung. Hier reicht eine einfache Bank oder ein Hocker aus, da für die Haltung keine Lehne benötigt wird. Die Füße stehen flach und sicher auf dem Boden. Die Beine sind in den Knien rechtwinklig gebeugt. Die Unterarme ruhen auf den Oberschenkeln und die Hände hängen frei zwischen den Beinen, wobei sie sich nicht berühren. Zum Schluss wird der Kopf ausbalanciert oder nach vorne hängen gelassen. Weitere mögliche Sitzhaltungen sind der Lotussitz, welcher eine Meditationshaltung ist oder der japanische Fernsehsitz. Der Lotussitz ist im Ansatz dem Schneidersitz vergleichbar, der von Kindern auch im Alltag gern eingenommen wird. Hier liegen die Füße der angewinkelten Beine in den Kniekehlen. Die Hände ruhen locker auf den Oberschenkeln, und der Körper ist gerade aufgerichtet. Ein kleines Sitzkissen erleichtert anfangs diese Stellung. Auch der japanische Fernsehsitz ist für Kinder eine typische Spielhaltung. Hier knien sie auf dem Boden und sitzen auf den eigenen Fersen. Die Hände liegen dabei gelöst auf den Oberschenkeln, und der Körper ist gerade aufgerichtet. Diese Sitzhaltungen sind erst dann zu empfehlen, wenn das Autogene Training aus der Phase des Geschichtenerzählens vollständig in die Phase der reinen Entspannungsübung übergegangen ist. Mit dem Sitzen wird die Konzentration bei der Entspannung erhöht und gleichzeitig ein Einschlafen vermieden.

Die Umgebung hat für das Autogene Training bei Kindern eine große Bedeutung. Eine immer wiederkehrende Atmosphäre hilft den Kindern sich innerlich auf das folgende Training einzustellen. Das Einhalten von festen Formen ist eine Art, wie Kinder sich ein Gleichgewicht erhalten, da sie sich wohl fühlen, wenn sich etwas in ihrer notwendig so bewegten und veränderlichen Welt verlässlich und vorhersagbar verhält. Anfangs ist es also sinnvoll, mit dem Kind einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit auszusuchen, wo und wann das Autogene Training dann immer stattfinden kann. Außerdem sollte beim Üben der Raum abgedunkelt und dafür gesorgt sein, dass keine störenden Unterbrechungen, wie Geräusche auftreten.

Die Zeiten für die autogenen Übungen können bei Kinder sinnvoller Weise z. B. vor dem Einschlafen, vor der Schule oder vor dem Erledigen der Hausaufgaben sein. Sie fühlen sich so wohler und können sich besser konzentrieren. Später setzen Kinder dann das Autogene Training von selbst immer dann ein, wenn es für sie sinnvoll erscheint, wobei es zu Beginn hilfreich ist, feste Übungszeiten einzuhalten.

Beim ganzheitlichen Lernweg bestimmt die Bereitschaft der Kinder, sich auf das Lernen einzulassen, das Tempo des Vorgehens. Der kindliche Lernweg zum Autogenen Training beginnt mit der Phase der Vorbereitung, in der einfach Geschichten vorgelesen oder erzählt werden. Hierbei fühlen sich Kinder in einer kuscheligen Atmosphäre wohl. Beim Vorlesen oder Erzählen ist auf die Betonung zu achten, da das Spielen mit der Betonung, dem Sprachrhythmus und der Lautstärke bei den Kindern Anspannung und Entspannung erzeugen kann. In der Phase des Entspannungseinstiegs werden erste eindeutige Entspannungsabschnitte zugefügt. Diese folgen dem Konzept der Grundübungen des Autogenen Trainings. Es werden Formeln und Bilder zu Ruhe, Schwere, Wärme und Atmung, die dem Sinn der vorgelesene Geschichte entsprechen, eingeführt. Die Formeln und Bilder zu Schwere und Wärme sind auf den ganzen Körper bezogen. Die Kriterien für Entspannung bei Kindern sind relativ einfach zu beobachten. Diese können z. B. sein: Im Liegen kippen die Füße leicht nach außen, die geschlossenen Augen zittern leicht, die Gesichtszüge lockern sich oder der Magen knurrt. Kinder können meist schnell und leicht die Grundübungen des Autogenen Trainings verwirklichen. Am Ende der Einstiegsphase haben die Entspannungsabschnitte in den Geschichten eine mehr oder weniger feste Form gefunden. In der nächsten Phase, der Phase der Entspannungsvertiefung, beginnt die vorgelesene Geschichte mehr auf die Entspannung zu zentrieren. Hierzu werden Geschichten erzählt oder vorgelesen, die speziell zur Entspannung gestaltet worden sind (z. B. Else Müller: Träumen auf der Mondschaukel. Kösel Verlag, 1993). Die Vertiefungsphase eignet sich bereits dazu, auch unabhängig vom abendlichen Vorlesen oder Erzählen, den Kindern am Tage Möglichkeiten zum Entspannen anzubieten. Die oben abgesprochenen Erzählungen enthalten dann häufig die Formeln des Autogenen Trainings zu Ruhe, Schwere, Wärme und Atmung. Im Idealfall sind die Geschichten der Vertiefungsphase nach einem immer gleichen Muster gestaltet. Es sollte zu Beginn ein Übergangsbild stehen. Ein Beispiel ist die Geschichte "Mary Poppins", in der die Kinder in ein Bild hineinspringen. Übergangsbilder sind ein Einstieg in die Phantasie. Es dient Kindern, sich auf die Entspannung einzustellen und anschließend die Entspannung wieder zurückzunehmen. Das Zurücknehmen ist immer dann wichtig, wenn nach der Entspannungsübung nicht unmittelbar das nächtliche Schlafen folgt. Die Zurücknahme dient, um nach der Entspannung wieder hellwach und munter zu werden. Bevor die Augen wieder geöffnet werden, werden die Hände zu Fäusten geballt, die Arme einige Male gestreckt und geschüttelt und tief ein- und ausgeatmet. Nach jeder Phase der Entspannung ist es wichtig, die Kinder nach ihren Erfahrungen zu befragen. Wenn Kinder Beobachtungen machen, die im Zusammenhang mit der vegetativen Umschaltung stehen, dann sollten dem Alter des Kindes entsprechend diese Zusammenhänge dem Kind erklärt und verständlich gemacht werden. Nach einiger Zeit sind Kinder mit den Entspannungsgeschichten ganz vertraut und beherrschen die Umschaltung an Hand dieser Geschichten. Dann kann langsam begonnen werden, die Entspannungsübungen von den Rahmengeschichten zu trennen und diese unabhängig mit den Kindern zu üben. Es ist also ein Übergang von der Ganzheit der Entspannung (kindlicher Lernweg) zur Struktur des Autogenen Trainings.

 

Zusammenfassung

Das Autogene Training ist für Kinder eine wertvolle Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsbelastungen. Es ermöglicht ihnen jederzeit und überall, eine Umschaltung von körperlicher Leistungsbereitschaft auf Erholung herbeizuführen. Diese vegetative Umschaltung wird über eine verbesserte Körperwahrnehmung und über gezielte Vorstellungsbilder erreicht. Kinder sind in der Regel sehr gut in der Lage, sich zu entspannen, weshalb es bei ihnen beim Erlernen des Autogenen Trainings hauptsächlich um den bewussten Zugangs zu bestehenden Fähigkeiten geht.

Eltern und Erziehende können die Kinder hierbei über mehrere Phasen unterstützen. Der kindliche Lernweg des Autogenen Trainings beginnt mit der Herstellung einer ruhigen und geborgenen Situation, z. B. beim abendlichen Vorlesen von Geschichten. Mit der Zeit werden gezielt Entspannungselemente eingebaut, die sich zu kurzen, phantasievollen Entspannungsübungen entwickeln und sich sinnvoll in den Tagesablauf der Kinder einbetten lassen. Über Bewegungs- und Erlebnisspielen wird Kindern das Lernen erleichtert.

Aus den kurzen Entspannungsgeschichten entwickelt sich nach und nach der eigentliche Ablauf des Autogenen Trainings, und am Ende des Lernweges üben die Kinder auch ohne unmittelbare Anleitung durch Eltern oder Erziehende.

 

Literaturliste

  • Else Müller: Träumen auf der Mondschaukel. Kösel-Verlag, 13. Auflage
  • Dr. Peter Kruse, Klaus Haak: Autogenes Training für Kinder. Falken-Verlag, 1993/97
  • Prof. Dr. Dr. J. H. Schultz: Das Autogene Training. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1970, 13. Auflage