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Hypnose

Inhalt

Einführung

Trepanationen (Schädelknochendurchbohrungen) bei Urwaldstämmen geschehen, indem sich Menschen in Trance versetzen, so dass sie keine Schmerzen spüren. Hypnose fasziniert.

 

Allgemeines

Hypnose, eine Jahrtausend alte Methode, Menschen in Trance zu versetzen, wurde als etwas Bedrohliches verdrängt, vergessen, auf Jahrmärkten als Volksbelustigung zur Schau gestellt. Aber während sie in den USA oder anderen europäischen Ländern schon seit einigen Jahrzehnten von Forschem wissenschaftlich "hoffähig" gemacht worden ist, besinnen sich seit einigen Jahren auch in Deutschland Ärzte, Zahnärzte und Psychologen auf sie: Lehrbücher zum Thema "Klinische Hypnose" erscheinen, Mediziner lassen sich in Seminaren ausbilden, Psychologen organisieren Kongresse, um ihr therapeutisches Repertoire mit dieser Methodik anzureichern, und Forscher in aller Welt versuchen, mit Reagenzglas und Elektroden, dem Geheimnis "Trance" näher zukommen.

Das Bundesgesundheitsministerium ließ 1991 ein Gutachten von namhaften Forschern über die wissenschaftlich nachweisbare Wirksamkeit der unterschiedlichsten Therapieformen anfertigen. Das Ergebnis war eindeutig: Hypnotherapie wurde als eine wirksame Heilmethode in "bestimmten Problemstellungen" dokumentiert. "Hypnose hat wegen ihrer manchmal spektakulären nicht-therapeutischen Anwendungsformen in der Öffentlichkeit einen zweifelhafteren Ruf, als sie verdient", schreibt ein Hauptgutachter in der 1994 veröffentlichen Studie "Psychotherapie im Wandel". Es handele sich nicht nur "um eine der ältesten Formen der seelischen Krankenbehandlung, sondern um eine durchaus seriöse und relativ gut untersuchte Therapieform". Sie könne Menschen mit Ängsten, mit psychosomatischen Beschwerden wie Asthma oder Schlafstörungen, mit Schmerzen oder Allergien helfen.

Hypnose scheint geradezu ein Breitbandtherapeutikum zu sein: Sie soll als Tiefenentspannung funktionieren, als Kurzzeitbehandlung in der Psychotherapie, als "Betäubungsmittel" in der Chirurgie und als wirkungsvolle Methodik, die verschüttete, traumatische Erlebnisse an die Oberfläche des Bewusstseins bringen hilft.

 

Die Hypnose heute und damals

Seit alters gilt hypnotische Trance indes als eine Art Schlaf. Bereits die Sumerer versetzten Kranke in Heilschlaf In 3000 Jahren alten indischen Epen, im Gilgamesch-Epos aus Mesopotamien wie in Aufzeichnungen der alten Ägypter sind Hinweise auf Kulte zu finden, in denen Trance eine Rolle spielt. Die Griechen praktizieren "Tempelschlaf" als Heilritual. Christliche Mönche übernahmen im frühen Mittelalter diese Behandlungsart, legten Hände auf und trieben mittels Hypnosetechniken krankmachende "Dämonen" aus. Berichte von Magiern, die ihre Klienten in todesähnliche Schlaf versetzten, sind ebenfalls aus dem Mittelalter überliefert.

Der gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Wien praktizierende Arzt Anton Mesmer sah es so: Für ihn resultierte die Heilkraft der Trance aus dem "Magnetisrnus". Er hypnotisierte seine Patienten durch das Berühren mit Eisenstäben, bloßes Fixieren mit den Augen oder durch Handstriche entlang der Arme. Dadurch wollte er das "magnetische Fluidum" wieder ins rechte Lot rücken.

Der englische Arzt James Braid nannte den "Nervenschlaf" 1843 erstmals Hypnose, nach Hypnos, dem griechischen Gott des Schlafes. Viele Ärzte nutzten den "Betäubenden Schlaf" bei chirurgischen Eingriffen - bis Äther und Chloroform als Narkosemittel ihn Mitte des letzten Jahrhunderts aus der Schulmedizin verbannten.

Siegmund Freud beschäftigte sich eine Weile mit Hypnose, nachdem er in einem Pariser Spital bei Charcot "Zeuge dieser erstaunlichen Experimente" geworden war. Dabei holte er sich "die stärksten Eindrücke von der Möglichkeit mächtiger seelischer Vorgänge, die doch dem Bewusstsein des Menschen verhüllt bleiben". Nach einiger Zeit jedoch wandte er sich ab, um nicht das "reine Gold der Analyse mit dem Kupfer der Suggestion zu legieren". Nach Freuds Abschied von dieser Therapieform hatte sie hierzulande bis vor wenigen Jahren nur geringe Bedeutung. Hypnose wurde den "Schaubudenmagiern" überlassen.

Eine neue Ära begann in den siebziger Jahren mit den Veröffentlichungen des amerikanischen Psychiaters Milton Erickson, der Tausende von Patienten hypnotherapiert hat. Er gilt als der Begründer einer "neuen Hypnose", die dem Therapeuten größtmögliche Zurückhaltung bei der Führung des Patienten auferlegt und sich von der klassischen, eher autoritären abhebt. Erickson zufolge fördert hypnotische Trance die Kreativität des Menschen, so dass dieser seine Probleme selbst zu meistern vermag. Ein Ansatz, der mit der Biographie dieses Seelenarztes zusammenhängt: Nach einer Polioinfektion war er seit 1967 an den Rollstuhl gefesselt. Bis zu seinem Tod 1980 litt er unter starken Schmerzen, die er mit Hypnose bekämpfte.

Manche Forscher sehen in Hypnose und Trance ein soziales Phänomen, ein Rollenspiel. Der Patient habe den konzentrierten Wunsch, dem Therapeuten zu gefallen. Nach einer anderen Theorie handelt es sich um ein angeborenes Verhaltensmuster, eine Regression auf ein primitives mentales Verhalte. Ähnlich dem der Tiere, die in einer lebensbedrohlichen Situation auf bloße Existenzsicherung eingestellt sind. Trance - die Rückverbindung zu den evolutionären Wurzeln, eine Art Religion, eine Möglichkeit, in einer Not aus dem rational geprägten Ich-Gefüge zu flüchten ?

Zu allen Zeiten haben Menschen den unbezwinglichen Drang verspürt, aufzubrechen in die Fremde - auch in das Weltall des Inneren. Und zu allen Zeiten war Trance ein Heilmittel: Beim Spektakel des afrikanisch-karibischen Voodoo-Kultes werden krankmachende Geister ausgetrieben. In der alten chinesischen Medizin dienen spontane Körperbewegungen in Trance - eine besondere Form des Qlgong - als diagnostisches Hilfsmittel. Nordamerikanische Indianer behandeln psychische Probleme mit Trance-Tänzen. Eskimos reiben stundenlang Mahlsteine aneinander oder blicken ins Feuer wie auch Schamanen auf Borneo, um Heilkraft zu gewinnen. Trance-Heiler in Marokko und exorzierende Priester in Europa - überall auf dem Erdball existieren Methoden, die mit den Kräften der Psyche Körper und Geist heilen sollen. Jede Kultur hat ihre Symbole, Bilder, Metaphern.

 

Der "Patient"

Schon bei Entspannungsübungen, "kleinen Einstimmungen" in den angenehmen leichten Trance-Zustand, konnten deutliche physiologische Veränderungen nachgewiesen werden: verminderte Atemgeschwindigkeit, niedrigere Herzfrequenz und abfallender Blutdruck, messbar weniger Stresshormone, aber deutlich mehr für die Immunabwehr wichtige Lymphozyten. Ein weiterer Befund von Wissenschaftlern der Universität Konstanz: Während des Trance-Zustands nimmt die Haftfähigkeit der weißen Blutkörperchen an den Blutgefäßen zu. Die Forscher spekulieren, dass dies die "Immunkompetenz" von Leukozyten erhöhen könnte.

Fast alle diesen Veränderungen ist eines gemeinsam: Sie dämpfen letztlich das vegetative Nervensystem. Der hypnotische Entspannungszustand bedeutet eine Phase der Erholung für den Körper, die dazu führt, dass die Widerstandskräfte gestärkt werden - ähnlich wie beim Autogenen Training.

Doch Trance, betonen Hypnoseforscher, ist mehr als Entspannung: Auch bei Versuchspersonen, die auf einem Ergometer Radfahren und bei denen somit zumindest keine körperliche Entspannung eintreten kann, lassen sich hypnotische Phänomene erzeugen. Trance ist nicht befriedigend durch den körperlichen Zustand zu definieren, sondern eben durch eine veränderte innere Realität.

Ist die entspannende hypnotische Trance erreicht, folgt die eigentliche Behandlung. Jetzt werden "therapeutische Suggestionen" vermittelt - Anweisungen, sich etwas Bestimmtes intensiv vorzustellen. Unter Ängsten leidende Patienten sollen sich z.B. in einer Alltagsszene als mutig und stark erleben, Neurodermitis-Patienten sich von einer Schutzhülle umgeben sehen oder Asthmatiker sich unbeschwerte Atemzüge vorstellen.

Zahnoperationen unter Hypnose, Zahnarzt-Phobiker in angstlösender Trance - in Deutschland noch eine Seltenheit. In Skandinavien etwa, vor allem in Schweden, sind sie jedoch an der Tagesordnung. Mehr als die Hälfte aller schwedischen Dentisten sind in Hypnose ausgebildet.

Ob Kaiserschnitt oder Beinamputation - kaum ein chirurgischer Eingriff, der nicht schon unter Hypnose als Narkoseersatz durchgeführt und wissenschaftlich dokumentiert worden ist. Ein Vater spielt im Geiste mit seiner Tochter, während ihm real die Mandeln entfernt werden. Eine Gebärende geht beim Kaiserschnitt in ihrem Garten spazieren. Mit einem anderen Teil ihres Bewusstseins sind die Patienten allerdings sämtlich auch in der Gegenwart. Sie hören, was Ärzte sagen, und empfinden Eingriffe als Druck oder leichtes Brennen.

Noch weitgehend unklar ist, wie Bilder solche "Wunder" bewirken. Amerikanische Forscher ermittelten immerhin, dass körpereigene Opiate keine Rolle spielen: Verabreichten sie Hypnotisierten die Substanz Naloxon, die Opiate unwirksam macht, blieben die Versuchspersonen weiterhin schmerzresistent. Deshalb nehmen die Wissenschaftler an, die Schmerzunempfindlichkeit müsse etwas mit der starken Vorstellungsaktivität zu tun haben. Die gesamte Aufmerksamkeit werde derart absorbiert, dass bestimmte Affekte wie der Schmerz im Gehirn "abgespalten" werden können.

Es sind indes nicht die Hypnotherapeuten, die das leisten. Krankheiten und Schmerzen werden nicht einfach "weghypnotisiert" oder Verhaltensweisen "suggeriert. Vielmehr hilft sich der Behandelte selbst mit seiner Imagination, indem er Kraft aus positiven Erlebnissen in der Vergangenheit, den sogenannten "Ressourcen", bezieht. Der Patient überzeugt sich intuitiv selbst: "Ich kann auch anders."

Ein vom Phantomschmerz geplagter Mann streichelt mit seiner amputierten Hand das weiche Fell einer Katze. Eine Migränepatientin trägt eine dicke Mauer im Kopf ab, Stein für Stein. Ein Mann öffnet eine imaginäre Schleuse und lässt sein Blut in das Bein strömen, um dort die Viren in seinen Warzen davonzuschwemmen. Eine Medizinstudentin, die Leichen nicht ertragen kann und schon nach einer Minute aus dem Präparationssaal läuft, um sich zu übergeben, unterhält sich drei Therapiesitzungen lang schluchzend mit ihrem vor kurzem tragisch verstorbenen Freund. Der versichert ihr, dass es ihm nicht das geringste ausmache, wenn sie an Leichen herumschneide.

Auch Impotenz und andere sexuelle Probleme, Suchterkrankungen wie Bulimie, immunologische Unregelmäßigkeiten wie Hautleiden, etwa Neurodermitis, und vor allem Ängste lassen sich bei vielen Menschen mit dem Rückgriff auf die Ressourcen therapieren. Bei hypno- und psychotherapeutisch behandelten Krebskranken registrierten Forscher der Stanford University eine verdoppelte Überlebensrate. Vermutlich beruht die Wirkung darauf, dass die Behandlung das Immunsystem stärkt. Außerdem hilft sie dem Patienten, Chemotherapien und Ängste von Metastasen besser zu überstehen.

Zeitreise. Manchmal genügt schon eine Sitzung von einer Stunde, um verschüttete Bilder hervorbrechen zu lassen. Denn Trance kann Gefühlsblockaden beseitigen, die als Schutzschild vor dem Gedächtnis liegen. Vor allem bei Kriegs- und Unfallopfern kann diese Methode hilfreich sein, um traumatische Erlebnisse aufzudecken. Bei der hypnotherapeutischen Rückführung in die Kindheit, der "Altersregression", werden belastende Gefühle, die ein Patient nacherlebt, vom Körper mitvollzogen. Dann steigert etwa Zorn und Unruhe Atem- und Herzfrequenz, erhöhen den Blutdruck und den Ausstoß von Stresshormonen.

 

Trance - Schlaf

Trance ist der Zustand, der erreicht werden soll- Hypnose die Methode dazu. Hinter dem Begriff "Trance" verbergen sich veränderte Bewusstseinszustände: Individuen haben dabei den Eindruck, die Welt, ihren Körper und ihre Identität anders zu erleben. Jeder Mensch gleitet schon in alltäglichen Situationen mitunter in eine Art Trance: durch "Autobahnhypnose" bei langen, monotonen Fahrten, nach großen Schrecken, durch rauschhafte Stimmung bei Rockkonzerten, beim Joggen - ganz von allein.

Zur Hypnose-Einleitung verwenden Hypnotherapeuten häufig die uralte "Augenfixationsmethode", bei der Patienten unentwegt auf etwas schauen, auf ein mit Öl gefülltes Gefäß, wie vor 2000 Jahren in einem ägyptischen Papyrus beschrieben, oder auf einen Punkt an der Wand. Solche Einengung der Aufmerksamkeit ist ein erster Schritt in die Trance, der zweite ist die verbale Anleitung des Therapeuten. Je gleichförmiger und abgesenkter seine Stimmlage ist, desto besser führt diese in die Trance.

So verlässt man "geistig" die Realität - eine, wie Wissenschaftler es ausdrücken, "innere Realität" entsteht. Dieser Begriff umschreibt die subjektive Phantasiewelt, die Hypnotisierte in sich entstehen lassen und die so schwer objektiv zu fassen ist. In abgeschwächter Form verliert sich jeder Mensch mehrmals am Tag darin: versenkt sich "gedankenverloren" in Tagträume, ist von einem Buch oder Film derart gefesselt, dass die Umgebung nicht mehr wahrgenommen wird.

Ist sie so mühelos zu durchschreiten, die erste Pforte in das Reich der Trance? Nur mit hilfreicher Stimme des Therapeuten und der eigenen Vorstellungskraft? In den USA, in Kanada, Australien und Deutschland kamen wissenschaftliche Studien an Hunderten Menschen stets zum gleichen Ergebnis: eine extrem hohe Hypnotisierbarkeit bei etwa 10% der Bevölkerung, eine extrem geringe ebenfalls bei einem Zehntel. Alle anderen weisen eine mittlere Fähigkeit auf, die indes für die Hypnotherapie völlig ausreicht. Forscher an der kanadischen Universität haben dazu "unfähige" Menschen näher untersucht und festgestellt, dass diese häufig Schwierigkeiten haben, innere Bilder zu gestalten oder die Kontrolle aufzugeben, sogar unter einer gewissen Genusunfähigkeit leiden.

Nicht Leichtgläubigkeit, Willenlosigkeit oder Hysterie sind maßgeblich für das Vermögen in Trance zu fallen, sondern Vorstellungskraft, Kreativität, die Begabung, in einer Tätigkeit aufgehen zu können - sowie eine ausreichende Intelligenz. Männer und Frauen sind gleich gut zu hypnotisieren. Kinder - sie können im Spiel "versinken" - sind geradezu Künstler der Trance. Mit etwa 10 Jahren sind Menschen am empfänglichsten.

Jedoch: "Kein Mensch kann jemanden hypnotisieren, der dies nicht will", sagt der Therapeut. "Und unter Hypnose tut niemand etwas, wozu er nicht auch im "Wachzustand" das Bedürfnis hätte."

Der Eindruck täuscht, wie Forscher an der kalifornischen Stanford University belegt haben: Hypnotisierte schlafen keineswegs. Ihr EEG zeigt ein Hirnwellenmuster, das sich hauptsächlich durch Alpha-Wellen auszeichnet - und so dem "normalen" Wachzustand eines entspannten Menschen gleicht.

"Armlevitationen" nennen Fachleute verblüffende unwillkürlichen Bewegungen, wenn sich der Arm in Trance nach oben bewegt, "zu schweben" beginnt. Sie sind ein typisches Phänomen der hypnotischen Trance. Ende des vergangenen Jahrhunderts formulierte der Franzose Emile Coue6 das Prinzip, das ihm zugrunde liegt: "Nicht der Wille ist die Antriebskraft unseres Handelns, sondern die Vorstellung." und: "Jeder Gedanke ist bestrebt, sich zu verwirklichen" - das Geheimnis der Suggestion.

Die Kunst der Suggestion: Studien belegen, dass bereits Imagination und Ein-Bildung auf die Muskeln und sogar auf das Hormonsystem, auf Nerven- und Abwehrzellen wirken kann. Selbst banale Suggestionen wie "Es geht Ihnen von Tag zu Tag besser..." können auch ohne Trance Wirkung zeigen. Die klinische Hypnotherapie nutzt diese Effekte und potenziert sie durch den Trance-Zustand.

Dissoziation, das Gefühl, aus zwei Betrachtern zu bestehen, ist ebenfalls ein typisches Trance-Phänomen: Einerseits ist da eine logisch analysierende "Beobachterin", die sich in der Realität der Situation befindet. Und gleichzeitig eine davon losgelöst erlebende, die imaginär auf Reisen geht. Tritt die "Reisende" in den Vordergrund, ist die Trance tief und lebendig. Herrscht die Beobachterin vor, kann es sein, dass sie die Reise kurz unterbricht und denkt: "Ich muss im Büro anrufen."

Experimente an der amerikanischen Harvard University zeigten: Je besser die Hypnosefähigkeit, umso deutlicher kann die "Spaltung" erfahren werden - bis hin zu dem Gefühl, mit einem Teil den Körper zu verlassen und sich selbst und die Szenerie von außen zu betrachten.

Der logisch analysierende Beobachter koordiniert das normale rationale Wachbewusstsein des Alltags. Gerät der Mensch in Trance, wird es unterlaufen. Das "Unbewusste", das im täglichen Leben kaum wahrgenommen wird, das, was den Arm bewegt, wird erreichbar. Die Trance macht die Hülle des alltäglichen Funktionierens nebensächlich und gibt dem Unbewussten mehr Raum.

Unbewusst ? Ein schillernder Begriff, der schon immer die Psychologenzunft gespalten hat. Für Milton Erickson war einfach "alles, was nicht bewusst ist, unbewusst". Man müsse dem Patienten in Hypnose vertrauen- dessen Unbewusstes wisse am besten, wie es sich helfe - und damit dem Organismus. Der Therapeut unterstütze es lediglich dabei, indem er mit seinen Worten Assoziationsketten auslöse.

Das Unbewusste umfasst all die Regulationsleistungen des Organismus, die nicht bewusst sind, pflichten physiologisch ausgerichtete Forscher dem Amerikaner bei. Fast die gesamte Informationsverarbeitung in den Milliarden Neuronen des Gehirns geschieht unbewusst. Ebenso die unzähligen physiologischen Reaktionen des autonomen Nervensystems wie die Funktionen beinahe aller Organe.

Jeder Mensch kennt und erlebt also nur einen kleinen Teil von sich selbst. Der riesige unbewusste Rest, für Hypnotherapeuten eine schöpferische und autonom funktionierende Intelligenz, werde durch das Wachbewusstsein manchmal behindert und müsse für therapeutische Zwecke während der hypnotischen Trance vorübergehend in den Vordergrund geholt werden. Das Rationale rückt in den Hintergrund.

Bilder, Metaphern, Symbole wirken in diesem Zustand tief in die Seelen der Menschen. Denn Bilder sind die Sprache des Unbewussten, sie gestalten die archaische Form des Denkens: ungeordnet aufeinanderfolgende Bildsequenzen, ähnlich wie in Träumen. Der Zugang zu diesem "primärprozesshaften Denken" scheint in Hypnose besser möglich zu sein als im Wachzustand. Und je mehr sich der Mensch in die Bilderwelt begibt, desto mehr kann er etwa Schmerzreize ausblenden.

 

Status der Hypnose in Deutschland

Obwohl mittlerweile durch eine Vielzahl gut dokumentierter Studien die Wirksamkeit der Hypnose in Medizin, Zahnmedizin und Psychotherapie belegt ist, teilt die Hypnose das Schicksal anderer Außenseitermethoden, etwa der Akupunktur oder der Homöopathie: Allen Erfolgen zum Trotz ist mit naturwissenschaftlichen Methoden (noch) nicht genau zu erklären, wie sie funktioniert. Daher gilt die Hypnose vielen Wissenschaftlern, Ärzten und sogar Psychologen immer noch als suspekt.

Eine Vorteil hat die Hypnose in Deutschland in der Regel aber gegenüber der Akupunktur: Sie kann bei ausgebildeten Ärzten kassenärztlich bei den Krankenkassen abgerechnet werden.