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Psychodrama

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Nach einer nun fast 80jährigen Entwicklungsgeschichte des Psychodramas, nach der Entdeckung der therapeutischen Wirksamkeit von Rollenspielen im Stegreiftheater 1921 in Wien durch Jakob Levy Moreno, haben psychodramatische Methoden weltweit Eingang in vielfältige therapeutische, pädagogische und beratende Arbeitsfelder gefunden.

Aber auch das Psychodrama selbst - als älteste Gruppentherapie - wird inzwischen durch verschiedene therapeutische Schulen repräsentiert, die sich in ihren Ansätzen, Arbeitsweisen und Theoriebildungen unterscheiden, wie z. B. das Klassische Psychodrama (vgl. Leutz, 1980), das Behaviordrama (vgl. Petzold, 1974), das Tiefenpsychologisch fundierte Psychodrama (vgl. Ploeger, 1981) und das Humanistische Psychodrama (vgl. Gessmann, 1994).

Die klassische therapeutische Methode (vgl. Moreno, 1989) ist als triadisches System konzipiert: Gruppenpsychotherapie, Soziometrie und Psychodrama. Das Ziel der Aktionsmethode ist die Wiedererlangung von Spontaneität und Kreativität, um den Menschen aus erstarrten Lebensstrukturen zu lösen. Die Soziometrie hilft bei einer produktiveren Integration, indem sie das Individuum in seiner sozialen Umgebung erforscht. Das Psychodrama behandelt die biographisch-individuellen Problemstellungen mit Hilfe der Gruppenmitglieder.

Das Humanistische Psychodrama sieht die Sozialität des Individuums als eigenen aktiven Faktor, der gemeinsam mit den biographisch-individuellen Anteilen die interaktionelle Wirklichkeit schafft. Auf ihr baut die Psychodrama-Therapie auf und ermöglicht eine therapeutisch geleitete Arbeit an der Ausdruckslage, die sich jeweils einstellt, wenn Menschen zusammenkommen und in die der gesellschaftliche und kulturelle Kontext, die räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten und vor allem die biographisch-individuellen Anteile der Beteiligten eingehen.

In dieser interaktionellen Situation als eine prozeßhafte Integration von aktuell-sozialen und individuell-biographischen Anteilen setzt das Humanistische Psychodrama mit einem aktiven Begegnungsprozeß von Menschen an. Ein umfangreiches methodisches Repertoire (Warming ups) ermöglicht eine Gruppenbildung, in der eine offene Ausdruckslage entsteht, in die andere und mehr biographische Anteile eingehen, als dies für jeden der Anwesenden in seinen normalen Lebensumständen möglich ist. Durch die leitende Begleitung des Therapeuten schaffen die Gruppenmitglieder eine Therapiesituation, in der dem Einzelnen in der sozialen Eingebundenheit ein erweiterter Erfahrungs- und Handlungsraum zur Verfügung steht (Protagonisten- oder Gruppenspiel, themenbezogene Gruppenarbeit). Er kann seine aktuelle Ausdruckslage im Sinne seiner Selbstverwirklichung gemeinsam mit den anderen Gruppenmitgliedern neu formen und erleben. Aus der erstrebten Balance zwischen personaler und sozialer Identität entsteht ein Zuwachs an gewünschter Spontaneität, ein "In-der-Welt-Zuhause-Sein" des Menschen (vgl. Bottenberg, 1996, S. 176).

 

Literatur

  • Buer, F. (1991-1996). Jahrbuch für Psychodrama, psychosoziale Praxis & Gesellschaftspolitik. Opladen.
  • Gessmann, H.-W. (1994/1997). Humanistisches Psychodrama. Bd. 1-4. Duisburg
  • Gessmann, H.-W. (Hrsg.) Internationale Zeitschrift für Humanistisches Psychodrama. Duisburg
  • Moreno, J. L. (1989). Gruppenpsychotherapie und Psychodrama. Köln.
  • Petzold, H. (1985). Psychodrama-Therapie. Paderborn