09.02.00 12:19 Alter: 12 Jahre
Schlafapnoe: Zwei Drittel der Patienten sind geheilt
Kategorie: Schlaflaborpresse
Rheinische Post Duisburg - 09.02.2000
Sascha Devinge
Die Behandlungsmethode von Hans-Werner Gessmann ist für Schlafapnoe-Erkrankte eine Alternative zur herkömmlichen Beatmungsmaske
"Was wir hier festgestellt haben, hat eigentlich eine weltweite Bedeutung." Hans Werner Gessmann, Leiter des Schlaflabors an der Homberger Rheinstraße, präsentiert seine jüngst abgeschlossene Untersuchung. 56 unter Schlafapnoe (Atemaussetzern) leidende Patienten wurden im vergangenen Jahr von ihm behandelt und während dieser Zeit wissenschaftlich beobachtet. Ergebnis: Die von Gessmann entwickelte Methode des Zungenmuskeltrainings (die RP berichtete) hat bei zwei Dritteln der Patienten dazu geführt, dass sie quasi beschwerdefrei sind.
Für die Betroffenen bedeutet das eine Erleichterung in vielerlei Hinsicht. So hat die Anzahl ihrer Atemaussetzer während des Schlafes zum Teil bis auf normales Niveau abgenommen, das Schnarchen wurde reduziert, die Schlafdauer verlängerte sich. Vor allem aber können die erfolgreich mit dem
Zungenmuskeltraining behandelten Patienten künftig auf Beatmungsgeräte verzichten, die sie bislang im Schlaf benötigten, um per Hochdruck Luft zu bekommen.
Training mit Schwachstrom
Das Prinzip des Zungenmuskeltrainings ist schnell erklärt. Durch einen schwachen elektrischen Strom, der durch den Unterkiefer fließt, wird das Muskelgewebe der Zunge angeregt und gestärkt: dadurch fällt die Zunge im Schlaf nicht mehr nach hinten, der Atemweg wird nicht blockiert. Das Training wird über einen Zeitraum von vier Wochen jeweils zweimal täglich für eine halbe Stunde durchgeführt. Als Gessmann seine Behandlung vor rund einem Jahr vorstellte, sah er sich der Kritik mehrerer Schulmediziner ausgesetzt, die nach wie vor auf die konventionelle Methode der Druckluft-Beatmung setzten. Für den Schlaflaborleiter spielen hierbei allerdings vor allem wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Während die herkömmlichen
Beatmungsgeräte um die 5000 DM kosten, ist die Apparatur für Zungenmuskeltraining nicht teurer als 150 DM. Ein gewaltiger finanzieller Unterschied – angesichts von 200 000 Schlafapnoe-Kranken allein in Deutschland.
Mit seiner Untersuchung will Gessmann nun belegen, dass das Zungenmuskeltraining weit mehr ist als eine günstige Alternative zur bisherigen Praxis. Allerdings räumt er ein, dass der Zustand sich bei insgesamt 18 seiner Patienten durch das Zungenmuskeltraining nicht verbessert hat. Gessmann: "Jetzt müssen dringend klinische Studien hierzu beginnen."