10.11.07 12:40 Alter: 5 Jahre
Schlafen: Nicht länger, sondern öfter in die Federn
Kategorie: Schlaflabor
Die Menschen sollten nicht mehr schlafen, sondern öfter.
Neben einem ausreichenden Nachtschlaf empfiehlt der Schlafforscher Prof. Jürgen Zulley auch ein kurzes Nickerchen tagsüber. Das steigere deutlich die Leistungsfähigkeit, sagte der Experte am Freitag in seinem Eröffnungsvortrag zur Messe „Schlaf gut!“ in München.
Zu wenig Schlaf mache krank, dumm, dick und lasse Menschen früher sterben. Diese plakative Aussage sei wissenschaftlich belegbar, betont der Forscher.
Ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus ist wichtig für die Regeneration des Organismus. Vor allem das Gehirn läuft auf Hochtouren, wenn der Mensch in den Federn liegt. "Schlaf ist ein hochaktiver Prozess, was nach außen gar nicht sichtbar wird", erklärt der Experte. Ein Hinweis auf die inneren Aktivitäten und Revisionsarbeiten, die in dieser Zeit im Körper ablaufen, seien nur die Augenbewegungen hinter den Lidern. Am erholsamsten ist der Schlaf in den Nachtstunden, weiß Zulley.
Diese Zeit sei biologisch als Ruhephase festgelegt und nicht zur Aktivität gedacht. Denn zwischen abends und frühmorgens ist die Körpertemperatur am niedrigsten, der Kreislauf labil und der Mensch sehr schmerzempfindlich. Zudem sinkt die Stimmung nachts auf ein absolutes Minimum - "was aber nur derjenige merkt, der in dieser Zeit aufwacht", so der Forscher. Ein ähnliches, wenn auch kleineres Tief erlebt der Mensch in den frühen Nachmittagsstunden.
"Das Mittagstief ist der kleine Bruder des Nachttiefs", formuliert es der Professor. Das beste Mittel dagegen sei ein kurzes Nickerchen von zehn Minuten bis zu einer halben Stunde - "auf keinen Fall länger, sonst rutscht man in die Tiefschlafphase", warnt Zulley. Und aus dieser wieder aufzuwachen falle schwer.
Studien belegen, dass ein kurzer Mittagsschlaf die Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit des Menschen deutlich steigert, Experten sprechen daher von 'power napping'. Leider sei das Nickerchen am Tag in den westlichen Ländern sehr schlecht angesehen, bedauert der Wissenschaftler.
Zwar würden mehr als 22 Prozent der Deutschen mindestens dreimal wöchentlich einen Mittagschlaf halten, aber kaum einer gebe das auch offen zu. Ganz anders sei die Einstellung zu diesem Thema etwa in China, wo Arbeitnehmer ein gesetzliches Anrecht auf den Mittagsschlaf hätten.
"Und wer in Japan beispielsweise während einer Konferenz einschläft, dem wird sogar Hochachtung entgegen gebracht", erzählt Zulley. Denn dort sei man der Ansicht: Nur wer sehr viel arbeitet, nickt tagsüber auch mal ein.
© Copyright 1998-2006 NetDoktor.de - All rights reserved